Wir waren mit der Seilbahn unterwegs auf dem Berggipfel bei Laax, in der Schweiz, um über die letzte Station der Burton BGOS Tour zu berichten, die von MINI präsentiert wurde. Dabei fiel uns ein äußerst entschlossen dreinblickender junger Mann auf; auf den Schultern sein Rucksack vollgepackt mit Ausrüstung und sein Blick auf den Gipfel fixiert. Das machte uns neugierig und wir kamen mit ihm ins Gespräch. Schnell stellten wir fest, dass wir eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Snowboard-Fotografie vor uns hatten, der wie kein anderer das Konzept der kreativen Raumnutzung beim Snowboarden versteht; seine Bilder schaffen es auf die Titelblätter: Gian Paul Lozza. Ohne die Handschuhe abzulegen, fummelten wir schnell ein Aufnahmegerät heraus und los ging´s mit dem Interview.
Wie lange dauert es, ein Feature im Gelände zu erstellen. Ist der Inhalt dabei ausschlaggebend?
Nun ja... Ich mache weder gewöhnliche noch normale Kicker-Shootings... In der Regel sind Bilder aus dem Snowboardbereich inszenierte Dokumentationen. Ich mache das anders - ich inszeniere komplett alles!
Also ist für Dich die eigentliche Inszenierung Deine Arbeit? Wie läuft das ab?
Ich fange mit Skizzen und Plänen an... ich konzipiere ein Szene und anschließend setze ich sie im Schnee um. Ich schieße das perfekte Bild und gehe dann wieder nach Hause.
Dann erfolgt Dein erster Arbeitsschritt mit Papier und Bleistift?
An erster Stelle steht immer eine Idee. Dann überlege ich mir, wer passen könnte, um die Idee am Hang umzusetzen. Dann setze ich mich mit demjenigen zusammen und wir überlegen, wie wir das {Terrain} Feature am Geschicktesten planen, sodass es für denjenigen am besten auszuführen ist. Anschließend gehe ich mit dem Konzept zu den Gelände-Verantwortlichen - z. B. in die Bergstation hier in Laax. Ihnen stelle ich meine Pläne ebenfalls vor und schließlich beginnen wir mit der Umsetzung. Eine Crew wird zusammen getrommelt.
Hier haben wir eine Quarterpipe in einem Würfel konstruiert. Es ist absolut nicht abzusehen, woher der Boarder kommt und wohin er fährt. Das Ergebnis ist wie eine grafische Arbeit. Mit meinen Bildern versuche ich den Betrachter so anzusprechen, dass er sich intensiver damit beschäftigt.
Woher kommst Du eigentlich? Ich bin von hier - aus Laax! Geboren bin ich unten im Tal, in Chur.
{Die meisten} Snowboard-Fotografen bleiben an der gleichen Methodik hängen: sie schießen eine Doku - sie fahren mit einem Boarder auf den Berg, schauen sich an, was gut aussieht und schießen es. Oder sie bauen etwas, eine Rampe oder so und machen anschließend das Shooting. So arbeite ich nicht mehr. Zehn Jahre lang habe ich es gemacht, aber irgendwann wird es ziemlich langweilig. An meinen aktuellen Projekten kann ich auch über einen längeren Zeitraum arbeiten, drei Monate oder so.
Ich versuche immer über Grenzen hinaus zu gehen, andere, neue Wege zu beschreiten - das reizt mich.
Gian Paul Lozza
Das wichtigste ist, dass ich einen anderen Weg einschlage. Ich dokumentiere nichts. Alles beginnt zuhause mit einem Konzept.
Wie groß ist Deine Crew normalerweise? Das hängt vom Projekt ab. So zwischen vier und fünfzehn Leuten.
Hast Du einen Lieblingsspot zum Shooten? {Lacht} Überall, wo es Berge gibt.
{Lacht noch Mal} Eigentlich ist es egal, weil es keine fixen Zeiten gibt, die ich mir aussuchen kann. Wenn ein Shooting angesetzt ist, dann kann es ziemlich Hardcore werden, zum Beispiel, wenn wir Nachtaufnahmen machen. Dann kann es leicht schon Mal 18-Stunden-Tage geben. Bei einem Shooting im vergangenen Jahr hatten wir Temperaturen von minus 20 Grad. Danach spürst Du Deinen Körper nicht mehr... eigentlich spürst Du danach gar nichts mehr.
Manchmal ist es unwichtig, wo das Shooting stattfindet. Hier in Laax gefällt es mir sehr gut. Hier habe ich die beste Crew. Hier bin ich aufgewachsen und kann mit den Jungs gut arbeiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie die besten Shaper der ganzen Welt sind. Deswegen werden auch die European Open hier ausgetragen, denn hier bekommst du die beste {Unterstützung}.
Dann hilft Dir dieselbe Crew bei Deinem Projekt, die auch die Pipes geshapt hat und für die Hänge bei den BEO zuständig war oder gibt es noch eine andere Crew?
Ja, das ist die örtliche Crew - dasselbe Team. Den ganzen Winter über arbeiten dieselben 5-10 Leute hier.