Unter Straßenlaternen flanieren und ihnen dabei die nötige Energie geben? So sieht die Zukunft der menschlich erzeugten erneuerbaren Energie aus, die wir in der dritten Ausgabe von „Alles elektrisch" vorstellen.
Eure Schritte sind nicht nur dazu da, euch von einem Ort zum anderen zu transportieren - sie generieren auch übertragbare kinetische Energie, die normalerweise verschwendet wird, weil sie ungenutzt bleibt. An dieser Stelle tritt Pavegen Systems auf den Plan - und wandelt die Fußtritte in Elektrizität um. Wie oft schon mag das gleiche Stück städtischer Asphalt mit Füßen getreten worden sein und ist dabei unbrauchbar und inaktiv geblieben? An der Londoner Victoria Station bis zu 23.000 Mal pro Stunde, wie der Erfinder des Pavegen-Systems, der 24-jährige Laurence Kemball-Cook, sagt.
Fünf Stunden Fußgängergetrampel bei viel Betrieb auf den Straßen könnte beispielsweise genug Energie erzeugen, um eine Bushaltestelle zwölf Stunden lang zu beleuchten. Pavegen besteht aus flexiblen Platten, die sich weniger als 5 Millimeter bewegen, wenn ein Fuß auftritt. Durch diese minimale Bewegung wird Energie gebündelt, die dann in einer Lithium-Polymer-Batterie in der Bodenplatte gespeichert und nachts auf elektrische Geräte übertragen wird. Die Dämmerung erkennt das Pavegen-System automatisch mittels eines Lichtsensors.
Die Pavegen-Platten sind nicht nur reine Goldminen der Energiebereitstellung, sondern erinnern die Leute auch an die Wichtigkeit der Benutzung von erneuerbarer Energie und gleichartiger Produkte. Das System soll „ein sichtbares Aushängeschild der Energieersparnis sein", so Kemball-Cook. In den grünen Pavegen-Platten sind darüber hinaus runde Punkte integriert, die aufleuchten, wenn man auf die Platte tritt. So weiß der Fußgänger, dass seine Arbeit getan ist. Nur fünf Prozent der insgesamt erzeugten Energie wird für die Beleuchtung der Platte benötigt, was besonders nützlich bei Fußgängerüberwegen ist, bei denen im Dunkeln die Sicherheit wichtig wird.
Die anderen Teile wie das Informations-Display, das die Platten und Straßenlaternen begleitet, können die übrigen 95 % der durch die Schritte der Fußgänger übertragenen Energie zur Selbstbeleuchtung nutzen. Die Platten bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff und benötigen keinerlei Netzanbindung an die Oberfläche, auf der sie sich befinden. Pavegen-Systeme werden derzeit probeweise in Großbritannien installiert. Wenn sie sich bewähren, sollen sie Anfang 2010 in größerem Umfang verlegt werden.
Laurence Kemball-Cook hat sich zwei Jahre lang mit der Frage beschäftigt, wie die Stromversorgung von Städten mit Hilfe von menschlicher Energie gewährleistet werden kann. „Wir wissen alle, dass Solarzellen großartig sind. In Städten sind sie aber nicht so effizient", sagt er. Kemball-Cook hat an der Loughborough University Industriedesign studiert. Danach arbeitete er ein Jahr für Eon, wo er sich darum bemühte, nachhaltige städtische Möbel zu entwickeln.
Diese spannende Entwicklung im Bereich der Energieentwicklung lässt uns mit der Frage zurück, was als nächstes kommt - vielleicht Fitnessstudios, die ihren Strombedarf durch die dort durchgeführten Kraftübungen selbst decken?