Ethan Lipsitzs außergewöhnliches Modelabel aus Los Angeles basiert auf einem Konzept, das er “Fabric Expression” nennt. Jedes einzelne Kleidungsstück, das die Apliiq Werkstätte im Warehouse District verlässt, wurde individuell auf den Kunden zugeschnitten und in Südkalifornien gefertigt. Lipsitz und sein kleines Design-Team verpassen herkömmlichen Hosen, T-Shirts und Sweatshirts von lokalen Marken wie American Apparel ihr Markenzeichen mit wenigen Farbtupfern aus Stoff - sie ändern etwa Kragen, Taschen oder Ärmel. Gemeinschaftsproduktionen sind der Schlüssel zum Besonderen, wobei oftmals regionale Künstler und Musiker Limited Edition Produktlinien ihren persönlichen Touch verleihen. Die Aufträge stapeln sich mittlerweile aus aller Welt und so hat sich Apliiq von seinen bescheidenen Anfängen als kleines Studio mit einer einzigen Nähmaschine zu einer internationalen Indie-Marke entwickelt.
Wie hat Apliiq angefangen? Gab es ursprünglich eine bestimmte Inspirationsquelle für Dein Konzept “Fabric Expression”?
Ich habe mir selbst lange Zeit kleine Stoffflicken auf die Kleidung genäht. Ich mochte die Idee meiner Kleidung, die jemand anderes angefertigt hat, meinen eigenen Touch zu verleihen. Dann habe ich festgestellt, dass Philadelphia, wo ich damals studiert habe, über einen unglaublichen Textilmarkt verfügt. Philly war früher eine große Bekleidungsstadt und obwohl die Branche so gut wie nicht mehr existiert, sind die coolen alten Stoffläden zum Teil noch vorhanden. Ich habe angefangen, Stoffe zu sammeln und darüber nachzudenken, wie ich Kleidung – abgesehen von Stoffflicken auf Pullovern – noch individualisieren könnte.
Gegen Ende meiner Collegezeit kamen oft Freunde in dem Haus, in dem ich zur Miete wohnte, in mein Zimmer und sahen sich meine Stoffsammlung an, die ich damals auf meinem Bett ausbreitete. Sie suchten sich ihren Lieblingsstoff aus und wählten die Farbe für einen Kapuzenpulli und ich machte ihnen einen individuelles Sweatshirt. Von Anfang an beruhte alles sehr auf individueller Anfertigung und Handarbeit. Es war mir wichtig, dass meine Freunde mitreden durften, so dass sie bei der Anfertigung ihrer Kleidung eine aktive Rolle spielen konnten.
Man kann sagen, dass Apliiq einen ausgeprägten L.A.-Stil besitzt. Wie würdest Du, als jemand, der nicht in Südkalifornien aufgewachsen ist, die kreative Atmosphäre in L.A. beschreiben und wie hat es Deine Marke beeinflusst?
Ich finde, dass Los Angeles ein hervorragender Ort für Unternehmer ist. Das Leben hier ist bequem und das macht uns vor allem das, was wir tun, sehr leicht. Die ganze Produktion findet hier statt und ermöglicht uns somit eine vertikale Integration. Der Stoffmarkt hier ist der beste im ganzen Land mit Materialien, die aus der ganzen Welt importiert werden – wir sind also ständig auf der Suche nach tollen neuen Stoffen, egal ob Vintage, unverkaufte Ware oder neue Sachen, die gerade bedruckt werden.
Los Angeles unterstützt Kreativität ungemein und es gibt hier eine riesige Jugendbewegung rund um Musik, Kunst und Sport, die mit unseren Produkten eng verbunden ist. Unsere Demografie ist jung – viele sind in der High School oder auf dem College – und eine Menge unserer Kunden stammt aus dem Großraum L.A. Ich denke, das Produkt spricht sie aufgrund seiner lässigen kalifornischen Einfachheit an. Gleichzeitig sind unsere Sachen modern und nicht übertrieben. Sie sind geschmackvoll.
Es sieht aus, als ob Ihr mit Eurem Onlineshop richtig durchstartet. Wohin versendet ihr mittlerweile am meisten?
Kalifornien ist definitiv unser größter Markt, zusammen mit Chicago, New York und anderen größeren amerikanischen Städten. Wir versenden mittlerweile auch einiges nach Australien, Nordeuropa, Kanada und Großbritannien. Es war wirklich toll, mehr Kontakt mit unseren internationalen Kunden zu haben und zu erfahren, was sie interessiert und wie wir ihren Stil in die Marke Apliiq einbauen können.
Gleichzeitig gibt es definitiv ein sehr starkes regionales Kontingent. Seit wir Teil der kreativen Community hier in L.A. geworden sind, bekommen wir in der Werkstätte ständig Besuch von Kunden.
Euer Stoffsortiment hat sich anscheinend verselbständigt. Hast Du einen persönlichen Lieblingsstoff?
Manche Stoffe bedeuten uns wirklich sehr viel, wir denken und erinnern uns sehnsüchtig an sie. Wir haben einen Stoff, den wir unseren “besten Fund” nennen; er sieht aus wie ein südwestlicher Navajo-Print und ist unglaublich beliebt. Wir haben ihn zufällig in einem Geschäft entdeckt, in dem wir normalerweise nur unifarbene Stoffe kaufen. Er wurde wahrscheinlich zuletzt in den 90ern oder irgendwann davor gedruckt und sieht ziemlich cool aus.
Wir haben gerade ein paar tolle Marinedrucke für unser neues Juni-Thema “Summer Sail” gekauft. Einer davon ist zum Beispiel weiß mit Zickzacklinien in kräftigem Marineblau. Es sieht aus wie Wellen, jedoch mit einem gezackteren Motiv, das wir in letzter Zeit sehr oft gesehen haben. Es ist sehr ausdrucksstark und einfach. Das gefällt mir.
Eure Stoffe stammen von Märkten und gemeinnützigen Organisationen aus der ganzen Welt. Wie hat die Arbeit mit Wohltätigkeitsfirmen ihren Platz in Euren kreativen Prozess gefunden?
Wir arbeiten oft mit Non-Profit-Organisationen zusammen, um Stoffe dort zu beziehen, wo sie gegebenenfalls arbeiten. Wir arbeiten mit Gruppen in ganz Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Süd- und Mittelamerika. Es kommt vor, dass ich um 2 Uhr morgens eine E-Mail mit einem Foto von jemandem auf irgendeinem Textilmarkt erhalte und ich sage ihm, „Ja, die sind cool!“ Wir lieben die Geschichten, die hinter den verschiedenen Bezugswegen und Orten stecken und lassen sie gerne in die Entscheidung etwas zu kaufen und zu tragen miteinfließen.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, mit seiner Arbeit eine Botschaft zu entwickeln, die über die individuelle Erfahrung, ein Produkt einfach nur zu kaufen, hinausgeht. Sowohl für uns als auch für die Organisationen ist es von Wert, wenn wir unseren Kunden etwas Cooles anbieten, das sie gerne tragen möchten und das zufällig gleichzeitig eine Organisation unterstützt, mit der sie vielleicht sogar schon zu tun haben. Es war immer wichtig für uns, Organisationen zu unterstützen, die Kreativität fördern und in der Welt Gutes tun.
Was hat das Apliiq-Team in nächster Zeit vor? Irgendwelche spannenden Gemeinschaftsprojekte diesen Sommer?
Wir werden diesen Sommer ein gemeinsames Projekt mit Saint Motel aufsetzen, einer abgefahrenen Band aus L.A., mit der wir bereits in der Vergangenheit gearbeitet haben. Wir werden uns mit ihnen zusammen ein paar richtig coole neue Produkte ausdenken. Außerdem gibt es da noch einen Hip-Hop-Künstler namens Def Sound, der wirklich unglaublich gut ist. Er arbeitet aktuell mit uns und wir erstellen gerade eine neue Produktlinie mit ein paar echt coolen afrikanischen Mustern, die wir mit seiner Hilfe gefunden haben. Also ja, wir suchen immer nach Wegen, Neues auszuprobieren und haben ein paar aufregende Pläne für diesen Sommer!
Hier könnt Ihr Euch die gesamte Apliiq-Kollektion ansehen und herausfinden, wie Ihr Euch Euer eigenes Stück L.A. bestellen könnt: