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Ariel Pink’s Haunted Graffiti: Moderner Retro-Sound mit einem saftigen Touch Eigenwilligkeit 25. November 2010

Wenn euch der Name Ariel Pink nichts sagt, dann solltet ihr jetzt unbedingt weiterlesen: Zusammen mit seiner Band Haunted Graffiti produziert der 32-jährige Musiker und Visionär aus Los Angeles selbstbewusste, zerebrale Sounds ganz ohne ironischen Unterton und ziemlich nostalgischen Grooves ohne dabei peinlich zu wirken.
 
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© Tim Saccenti
 
 
In der gerade aufkommenden 80er-Jahre-Retro-Szene haben sich vor allem Synthi-lastige Pop-Acts wie Miami Horror and Chromeo einen Namen gemacht. Ihre höchst tanzbaren Beats klingen so, als wären sie - das Bild drängt sich einfach auf - mit einer glänzenden Chromschicht überzogen. Der Sound von Ariel Pink dagegen ist von einem spektralen Surrealismus durchtränkt, der sich absolut authentisch anfühlt. Sein 2004 bewusst in Lo-Fi-Qualität veröffentlichtes Album The Doldrums erregte damals vor allem aus zwei Gründen Aufmerksamkeit: Es war die erste nicht von Animal Collective aufgenommene Scheibe, die bei Paw Tracks, dem Label der Band, herausgebracht wurde. Und es war so abstrakt und versank so sehr in weißem Rauschen, dass unbedarfte Zuhörer sich schnell den nächsten Top-40-Charts zuwandten. Für ihr aktuelles Album Before Today sind „Ariel Pink's Haunted Graffiti" jetzt zu 4AD gewechselt. Das Label hat so illustre Indie-Acts wie The National, Blonde Redhead, Deerhunter oder Bon Iver unter Vertrag - die auch in vielen Blogs von sich reden machen.
 
 
Die bis dato eher unbekannte Band findet seit Neuestem verstärkt im Internet Beachtung. Das könnte an den vergleichsweise gefälligen (wenn auch wieder typisch eigenwilligen) Songs liegen, die diesmal so etwas wie einen roten Faden haben. Schließlich ist Before Today das erste Album von „Ariel Pink's Haunted Graffiti", das mit professioneller Studiotechnik aufgenommen wurde. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass - sechs Jahre nach dem letzten Album - dieser leicht psychedelische, irgendwie gespenstische Nostalgie-Pop bei den Kids von heute angesagt ist.
 
Der Sound von „Ariel Pink's Haunted Graffiti" kommt wie die perfekte Kombination aus Fun und Kunst daher: freakig, intelligent und doch unergründlich. Beverly Kills eröffnet mit gesampeltem Party-Geplauder, auf das Marvin Gaye stolz gewesen wäre, und entfesselt dann einen Sound, der die funky Klänge von Earth, Wind & Fire heraufbeschwört. Die in luftigem Falsett gesungenen Lyrics dagegen sind animalischer, düsterer und fatalistischer Grunge: „Beverly tötet die Freaks mit ihrem Giftpfeil .../Sorry, aber dein trostloser Müll/Tut mir nicht leid ... Die Presse kann nicht gestoppt werden." Dazu kommt der Spukfaktor, denn der Bandname ist schließlich Programm. Schaurig widerhallende Klänge und seltsam intonierter Gesang finden sich in Tracks wie zum Beispiel „Fright Night": „Früher habe ich mit meinem Hexenbrett mit den Dämonen gesprochen/Jetzt nicht mehr/In der Nacht des Grauens/Deckst du mich zu/Ich bin ein Nekroromantiker/Ich sauge dein Blut". Und dann sind da noch das beständige, psychedelische Klirren, die verwirrenden Stimmungswechsel mitten im Song und die Nähe zu so manchem Urgestein des Prog-Rock wie Yes und Pink Floyd.
 
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Ein Samstag in New York, kurz nach 17 Uhr. Ein paar Musikfans sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So kommen sie in den Genuss einer unangekündigten Performance von „Ariel Pink's Haunted Graffiti", die am Abend noch mit Os Mutantes in der Webster Hall auftreten. In dem winzigen Repertoiretheater auf der West 13th Street, mit seiner kleinen Bühne, hinter der ein leuchtender Neon-Stern die einzige Deko ist, reicht der Platz gerade so für die etwa 50 Anwesenden.
 
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Noch ist schwer einzuordnen, was hier passiert. Es könnte als die Party einer Studentenverbindung in den späten 70ern oder auch als eine Bar-Mitzwa-Feier in den frühen 80ern durchgehen. Ariel spielt seine Rolle als exzentrischer Frontmann gut. Durch die familiäre Atmosphäre zu allen möglichen und unmöglichen Gags animiert, klettert er von der Bühne und knutscht mit den Leuten in den ersten beiden Reihen. Schockpotenzial? Kann man schon sagen! Das Theater ist zwar zu klein zum Tanzen, die Energie ist jedoch überall im Raum spürbar. Schon nach kurzer Zeit klatschen und wippen alle im Takt zu den sanft wogenden Beats. Groove-Faktor? Absolut! Die Band - besondere Erwähnung verdient hier Tim Koh, ein genialer Bassist mit einem unnachahmlichen Stil - ist konzentriert, wenn auch etwas verhalten bei der Sache (es steht ja noch eine weitere Show auf dem Programm). Zwischen Publikum und Band geht es überwiegend freundlich und lustig zu - was eher selten ist. Als jemand aus Spaß fragt, ob es noch Bier gibt, reicht Ariel dem Fan eine halbleere Büchse Budweiser von der Bühne. Freibier? Yep!
 
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Das Konzert später am Abend wurde von der Kritik übrigens verrissen - in zahlreichen Kritiken werden die Shows von „Ariel Pink's Haunted Graffiti" als langweilig und nervig abgetan. Außerdem wird die Band angeblich regelmäßig von der Bühne runtergebuht. Also liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ihr euch „Ariel Pink's Haunted Graffiti" am besten selbst bei Gelegenheit in einem modrigen Kellertheater antun solltet. Ich glaube ja, dass die Band noch mal ziemlich groß rauskommt. Fürs Erste könnt ihr euch aber auch einfach ein paar fette Kopfhörer aufsetzen und euch die unheimlichen Klänge des schaurig guten Studioalbums Before Today von Haunted Graffiti reinziehen.
 
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Externe Links:
4AD
Ariel Pink's Home Page
Listen to Ariel Pink's Haunted Graffiti "Round and Round" on Last.fm
 
 
 
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