Das einwöchige Event ist gleichzeitig die größte Attraktion unter seinesgleichen und fand bereits zum 10. Mal statt: Die Art Basel in Miami Beach war fest in den Händen der Kunstszene und präsentierte an Ausstellungsorten in der ganzen Stadt neue wie altbekannte Künstler in allen erdenklichen Medien. Die Art Basel und ihre vielen Begleitmessen haben sich von einem Nischenfestival für Insider der Kunstszene zu einem Event entwickelt, das mittlerweile eine beachtliche Anzahl Kunsttouristen, Prominente sowie neugierige Einheimische anzieht. Während die Stadt tagsüber Kunst und Design im Überfluss bietet, geht die Party abends weiter, auch oder gerade nachdem die Messen ihre Türen längst geschlossen haben. Regionale Veranstalter und internationale Marken freuen sich über das hippe und kaufkräftige Publikum und schmeißen Partys, die weit bis in die frühen Morgenstunden gehen. Durch die Art Basel kommen geballtes Talent und eine exklusive Kaufkraft in die Stadt - die Kunstszene hat sie sich längst mit einem dicken roten Kreuz im Art- Kalender vorgemerkt.
Art Basel Miami
Dank des Erfolges der Art Basel und den zeitgleich stattfindenden Messen hat Miami jetzt einen festen Platz auf der Karte mit den Destinationen der Kunstszene. Galerien schossen explosionsartig aus dem Boden und brachten die Aufmerksamkeit der Presse und Käufer mit sich; ein Übriges tat das verlockende Klima und die günstige Gelegenheit, umzugswilligen Künstlern neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Das Miami Art Museum befindet sich zurzeit im Aufbau und findet seinen Platz in einem anspruchsvollen neuen Gebäude, das von den Architekten Herzog & de Meuron entworfen wurde. So wird Miami seinen Ruf als Top-Adresse unter den wichtigsten Kunststädten der Welt wohl noch weiter ausbauen.
Mr Brainwash
Die NADA Art Fair im Deuville Resort im Norden von Miami Beach beherbergte einige der abenteuerlichsten Werke der Woche - die Mehrheit der ausstellenden Künstler und Galerien stammte aus unbekannteren Gebieten. Der niedrige Bekanntheitsgrad stand jedoch keineswegs für schlechtere Qualität der Ausstellungsstücke, die oftmals einzigartig und äußerst beeindruckend waren.
Die räumlichen Grenzen der Kunst beschränkten sich jedoch nicht nur auf Galerien. Als berühmt-berüchtigter Spaßvogel und Star des letzten Jahres mit seinem Stück Exit Through The Gift Shop übernahm Mr. Brainwash ein Gebäude mit Eigentumswohnungen in der Collins Avenue- mit den für ihn typischen Figuren wie Mr. Potato Head, Storm Troopers und sogar Picasso. Ähnlichen Humor bewies eine nicht ganz ernst gemeinte Kampagne der Kunstmesse PULSE, die an verschiedenen Locations in der Stadt, einschließlich einer geschickt platzierten Reklamewand in der North Miami Avenue, mit Ca$h for your Warhol warb.
Ca$h for your Warhol
Die Art Basel blieb die Hauptanlaufstelle der Woche und wartete mit erstklassigen Talenten auf, die zum Teil von weltweit führenden Kunstgalerien präsentiert wurden. Es waren so viele Eindrücke, dass große Augen bei den Besuchern keine Seltenheit waren, wenn sie an Original-Werken von Größen wie Jean-Michel Basquiat oder Robert Rauschenberg vorbeischlenderten. Die diesjährige große Ausstellungsfläche glänzte durch eine gekonnt benutzerfreundliche Anordnung (abgerundet durch Büfetts und Oasen aus Kunstrasen). Wer sich nicht gerade den Luxus leistete, mehrere Tage in Ruhe alle Messestände anzuschauen, war zwangsläufig schlicht und einfach von der Größe der Veranstaltung überwältigt. Diejenigen, die an die mentalen Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit in Bezug auf Kunstobjekte gelangt sind, suchten sich eine bewiesenermaßen genauso unterhaltsame Alternative: Leute beobachten und dabei nach dem ein oder anderen Prominenten Ausschau halten.
PULSE
Die Kunstmesse PULSE Miamis Innenstadt machte sich das idyllische Wetter zunutze und bot sowohl Indoor- als auch Outdoor-Möglichkeiten, um auch solchen Besuchern Zuflucht zu verschaffen, die sich nach einer Auszeit von den grellen Lichtern und dem etwas steiferen Ambiente sehnen, das bei manchen anderen Ausstellungen herrschte. Die PULSE rühmte sich außerdem mit einem beeindruckenden Line-up internationaler Talente und stellte einige der originellsten und erfreulichsten Stücke aus. Auf der Messe gab es außerdem mehrere Lounges, in denen Besucher ein wenig Schatten und kühle Getränke genießen konnten, ganz zu schweigen von den hervorragenden Pizzen, die direkt im eigenen mobilen Ofen vor Ort zubereitet wurden.
Nue Studio
Ein großes Shopping Center mag vielleicht nicht wie die ideale Adresse für eine Kunstausstellung erscheinen, doch verfügbare Parkplätze und eine zweckmäßige Location in Miamis plötzlich boomenden zentrumsnahem Gebieten machten die Art Miami zu dem am regelmäßigsten besuchten Event der Woche.
Retina, Winwood Halls
Der Wynwood Art District entstand vor acht Jahren und bestand aus damals nur vier Galerien. Heute zählt der Stadtteil mehr als 40. Im Wynwood District wird Graffiti mit hoher Kunst kombiniert und so entsteht dort vor allem abends eine zirkusähnliche Atmosphäre mit Imbisswagen, Ghettoblastern und Straßenkünstlern, die um die Aufmerksamkeit ihres Publikums buhlen. In der Wynwood Kitchen und dem dazugehörigen Projekt "Walls and Doors" gab es sowohl dauerhafte Ausstellungsstücke von Künstlern wie Shepard Fairey, Retina und Futura zu sehen, als auch einen Bereich für ein wechselndes Ensemble aufstrebender Künstler.
Nicht weit entfernt wartet der merklich gehobenere Design District mit seiner eigenen Mischung aus Galerien, Designer-Möbeln und -Kleidung auf (beispielsweise einem Christian Dior Pop-up-Shop) sowie Restaurants von weltberühmten Köchen wie Michelle Bernstein (Sra Martinez).
Bei einer solch vielseitigen Mischung aus Kunst und Kultur von edel bis alltäglich ist es nicht weiter verwunderlich, dass Miami zum angesagtesten Spot für die erste Dezemberwoche geworden ist. Wir jedenfalls haben unser Kreuzchen dieses Jahr schon gemacht.
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