Nach der diesjährigen Architektur-Biennale ging ich mit dem Gedanken nach Hause- kann Architektur wirklich ausgestellt werden? Das ist eine gute Frage und kann vielleicht am besten beantwortet werden, indem man sich die Veränderungen der Länderpavillons 2008 anschaut.
Die meisten Pavillons liegen in den Giardini, den Gärten nahe dem Wasser. Sie sind alle einzigartig und werden jedes Jahr (egal ob es die Kunst- oder Architektur-Biennale ist) von den betreibenden Ländern neu interpretiert. Es sind die an den Gebäuden vorgenommenen äußerlichen Veränderungen, die am meisten verblüffen.
„1907... nach der Party“, Belgischer Pavillon.
1. Nehmen wir Belgien. Dieser 1907 errichtete Jugendstilbau erhielt eine brandneue, sechs Meter hohe silberne Fassade. Während die Klänge von Rave-Musik über die neuen Metallwände waberten, war drinnen der gesamte Raum leer, mit der Ausnahme von Haufen von buntem Konfetti auf dem Boden und einem Foto des Designers Hedi Slimane. Mit dem passenden Titel „1907... wenn die Party vorbei ist" fanden sich die Besucher am Ende fast immer inmitten einer Konfettischlacht wieder! Hier war es das Publikum, das die Atmosphäre erzeugte, zusammen mit ein, zwei Partyrequisiten.
Gewächshaus außerhalb des japanischen Pavillons
2. Der japanische Pavillon mit dem Titel „Extreme nature: Landscape of Ambiguous Spaces" („Extreme Natur: Landschaft der mehrdeutigen Räume") war ein Highlight. Außerhalb des Pavillons waren Bäume gepflanzt und kleine Gewächshäuser aus Glas gebaut worden. Drinnen hatte der Künstler Junya Ishigami die Wände mit einfachen Bleistiftzeichnungen von Gartenhäusern, Wäldern und Blumen überzogen. Es war schön, meditativ, einmalig japanisch.
Gewächshaus außerhalb des japanischen Pavillons
3. Estland verlegte in einer provokativen und frechen Aktion ein knallgelbes Rohr, das vom deutschen zum nahe gelegenen russischen Pavillon verlief. Keine Unterbrechungen und keine Eintritts- und Austrittspunkte - ein Scherz über die beabsichtigte reale Gas-Pipeline und ein in diesem Jahr einzigartiges architektonisches Konzept.
Trocknende Kleidung unter der 64 KW-Lampe.
4. Der deutsche Pavillon erwies sich als das Glanzlicht der Biennale. In buchstäblichem Sinne. Die Beauftragten Raumtaktik installierten ein 64 KW-Licht von Siegrun Appelt am Eingang zum monumentalen deutschen Pavillon. Diese Installation, Teil ihrer Ausstellung „Updating Germany", will unseren Energieverbrauch verdeutlichen, und die Besucher werden dazu ermuntert, ihren Beitrag zum CO2-Ausstoß bei einem Online-Konto einzutauschen. Allerdings erwies sich diese heiße Lampe nach einem unerwarteten und heftigen Regenguss für viele triefende Biennale-Besucher als großartiger Trockner! Hier bekam der Pavillon einen völlig anderen Zweck.
Wohnwagen von Fantastic Norway
5. Der Wohnwagen der norwegischen Designgruppe Fantastic Norway war ein „halb"-mobiler (er ist den Großteil des Weges von Norwegen gefahren worden) Treffpunkt und geselliger Sammelplatz inmitten der Gärten. Hier wurden viele neue Freunde gefunden (und ein verrückter, namenloser Schnaps konsumiert). Ach ja, und ihr Manifest sollte von jedem aufstrebenden Designer oder Architekten notiert werden!
6.
Der Goldene Löwe für den besten Länderpavillon wurde verdientermaßen von Polen gewonnen. Das weiße und strenge Gebäude wurde in das „Hotel Polonia" umgewandelt mit einer luxuriösen Innenausstattung mit roten Teppichen und Märchenbetten, die für eine Nacht gemietet werden konnten. Die Kuratoren bemerkten, die Hotels in Venedig seien so überfüllt - warum sollte man nicht auch die Pavillons zur Verfügung stellen? Im Kontrast zu dieser Gemütlichkeit präsentierten die Fotomanipulationen von Nicolas Grospierre und Kobas Laksa eine dystopische Vision des „Jenseits der Gebäude." In ihren Bildern wird der neue Wolkenkratzer von Skidmore, Owings und Merrill in Warschau bis 2058 zu einem vertikalen Friedhof und das Metropolitan-Bürogebäude von Foster & Partners wird bis 2061 zum Metropolitan-Gefängnis!
7. Der portugiesische Pavillon wurde, obwohl er nicht in den Gärten liegt, am radikalsten verwandelt. An dem Haus mit Blick auf den Canal Grande wurde ein riesiger Spiegel angebracht, der das gesamte Gebäude verdeckte und gleichzeitig ein neues Stadtbild für alle schuf, die mit Boot oder Gondel vorbeifuhren. Für einen Moment verschwindet das Gebäude gänzlich und wird von einer flüchtigen Reflektion ersetzt!
8.
Einen Charakterwandel gab es nicht zuletzt auch beim australischen Pavillon. Wie die Kuratorin Kerstin Thompson in unserem Video erläutert, wird das Gebäude oft wegen seiner Lage übersehen. In diesem Jahr wurde es knallgelb „gekennzeichnet", genauso wie die Bäume, die dorthin führen. Das Sonnendeck, eine australische Ikone, wurde auch erweitert, um mehr Gesellschaft zu ermöglichen.
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Obwohl es eine Herausforderung sein kann, neue Architektur auszustellen oder sogar die Energie eines neuen Gebäudes einzufangen, regt die Umsetzung eines äußerlichen Eingriffs oder einer Verwandelung die Vorstellungskraft an und bringt die Sinne in Aufruhr.