Komponist Franz Liszt war nicht einfach nur der normale „Durchnittskomponist“. Keiner, der steif auf der Bühne stand und den Takt angab, sein Stil war eher mit dem eines Rockstars zu vergleichen. Er wurde als Revolutionär der Aufführung gefeiert und war quasi eine Art Elvis seiner Zeit. Er drehte sein Klavier zum Publikum, so dass dieses sehen konnte, wie er über die Tasten glitt, und war bekannt dafür, dass er bei seinen Zuhörern regelrechte Leidenschaft entfachte. Frauen fielen reihenweise in Ohnmacht. Später setzte er neue Maßstäbe in der Kunst des Dirigierens – indem er der Rolle eines menschlichen Metronoms mit Dynamik und Interpretationsgeschick Leben einhauchte. Wie es bei den Besten der Besten oftmals der Fall ist, öffnete er seine eigene Musikschule und lehrte, dass ein Künstler vor allem anderen lernen muss, wie er seine eigene einzigartige Vision und seinen Stil ausdrücken kann.
Hiroshi Hara — Raiding, Austria
Erst letzten Monat feierte die Welt Franz Liszts 200. Geburtstag, und seine Heimatsstadt Raiding , die nur 80 km südlich von Wien in der hügeligen österreichischen Landschaft liegt, veranstaltete zum Gedenken an ihren berühmtesten Bürger ein großes Fest.
Im Herbst stellten 10 einflussreiche japanische Architekten ihre Modelle und Baupläne im BMW Group Studio in Tokio aus. Ihre Arbeiten widersetzten sich jeder Genreklassifizierung und hätten sicherlich zu den auf die Spitze getriebenen kreativen Anstrengungen gezählt, die List bewundert hätte. Vielleicht wäre er noch erfreuter gewesen, hätte er erfahren, dass die einfallsreichen Konstruktionen in den kommenden Jahren Künstler und Musiker unterstützen werden, die seine ehemalige Heimatstadt besuchen.
Jeder Architekt hatte die Aufgabe, Pläne für eine kleine, 25 Quadratmeter große Konstruktion zu entwerfen, die den Bedürfnissen der schnelllebigen Megastädte in puncto Lifestyle gerecht wird. Gleichzeitig mussten sie aber auch die entspannte Umgebung der ländlichen Umgebung Raidings mit einbauen, wo die Konstruktionen später stehen würden.
"Stork House" — Terunobu Fujimori
Unter ihnen ist das “Storchenhaus” von Terunobu Fujimori, in dem insgesamt vier Leute Platz finden und – im Einklang mit dem Thema innovative Behausungen –mindestens ein Wanderstorch. Wie die Kreativen, die aus der ganzen Welt herbeiströmen werden, um sich vorübergehend im „Storchenhaus“ niederzulassen, fliegen Störche regelmäßig den ganzen Weg aus Südafrika herbei und machen auf ihrer Wanderung nach Norden in Raiding Station.
"Model 6" — Kengo Kuma
Andere Projekte spielen mit dem Einsatz innovativer Materialien. Beton zählt normalerweise eher zur gleichen Kategorie wie Granit und nicht Glas, doch “Model 6” von Kengo Kuma fand eine Möglichkeit, die unterschiedlichen Eigenschaften dieser Materialien gleichzeitig anhand von durchsichtigem Beton darzulegen. Er wollte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass, wenn man sich die vielen unterschiedlichen Unterkünfte der Gesellschaft ansieht, letzten Endes deutlich wird, dass es nicht so sehr um Mauern geht, die wir bauen, sondern vielmehr um den Raum, den wir um uns herum formen. “Model 6” lässt uns über beides nachsinnen.
Der berühmte Architekt Hiroshi Hara legte für das Projekt Raiding eine Extra-Schicht ein und entwarf zwei einzigartige Konstruktionen, die das Konzept von “crossover” verkörpern. Die erste davon ist der „Raiding Cube“, ein 5x5 Meter großer Würfel, der so designt wurde, dass er sich leicht zusammenbauen und transportieren lässt und damit als Miniatur-Konzertsaal fungieren kann: Er bietet Platz für einen Klavierspieler samt einem kleinen Publikum. Eine spezielle Besonderheit, die Hara ebenfalls für die Ausstellung designt hat, ist das “Cap & Camp.” Hara hatte einen beweglichen Unterstand vor Augen und seine Konstruktion, die an den Mobilitätsanspruch des modernen Menschen appelliert, ist komplett umgebungsübergreifend. Das “Cap & Camp” wurde speziell für den MINI Countryman designt und dient sowohl als mobile Garage als auch tagsüber als kleiner Unterschlupf für Fahrer und Freunde. Egal, ob man Schutz vor einem heraufziehenden Sturm oder ein wenig Schatten während des Picknicks sucht, das “Cap & Camp” deckt buchstäblich alles ab.
"Cap & Camp" — Hiroshi Hara
Seht Euch in der Galerie unten die anderen innovativen Designs an und lernt einige der kreativen Konzepte aus der Ausstellung kennen, die mit einem Bein im ländlichen Österreich und mit dem anderen in Japan stand.
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