Verrückte Welt des Internets. Selbst wenn du am abgefahrensten Ort irgendwo am Ende der Welt ein Tänzchen hinlegst, bist du nicht mehr richtig innovativ. Wieso sollten wir uns also mit David Fishel befassen? Gibt es etwas, das den jungen Filmemacher aus New York, der gerade dabei ist, ein Youtube-Star zu werden, interessant macht? - Aber klar. Sieh dir die humpelnde Kartoffel Matt an und vergleiche sie mit Davey. Wer den Unterschied nicht erkennt, merkt sowieso nichts mehr.
F.: Wie bist auf die Idee mit dem Tanzen gekommen?
A.: Eigentlich ganz banal: Ich war mit einem Freund in Pisa und da dämmerte es mir, dass es doch ziemlich lustig wäre, wenn die Leute zuhause sehen könnten, wie ich vor dem Schiefen Turm zu dem Lied „Don't Let Me Down" tanze. Je länger ich darüber nachdachte, desto besser fand ich die Idee, eine improvisierte Performance abzuliefern, die gleichzeitig öffentlich und privat ist.
F.: Wie suchst du dir die Orte aus, an denen du tanzt? Sind das willkürlich ausgewählte Postkartenhintergründe oder gehören sie unabdingbar zu deinen Performances dazu?
A.: Normalerweise suche ich mir die Hintergründe nach meiner Reiseroute aus. Ich habe noch nicht in Indien getanzt, weil ich dort noch nicht war. Meistens gibt es eine Verbindung zwischen dem Ort, dem jeweiligen Lied, dem Tanz und dem Video als Ganzes. Ich versuche immer, einen Hintergrund zu wählen, der als Symbol für einen Ort oder einen Gedanken stehen kann - was mir in manchen Fällen besser gelingt als in anderen.
F.: Es kommt auch vor, dass du mit einem Video eine private Botschaft vermitteln willst, wie zum Beispiel beim Geburtstagsgruß am Times Square in New York oder bei dem Rockefeller Weihnachts-Ding. Hast du schon mal darüber nachgedacht, deinen Tanz zu Werbezwecken oder für politische Aussagen einzusetzen? A.: An politische Botschaften habe ich schon gedacht, ein paar kleine Sachen habe ich tatsächlich geplant. Werbung wäre eigentlich auch okay, könnte aber auch schwierig sein. Aber wenn Stride Gum mir einen Riesenhaufen Geld anbieten und mich für sechs Monate um die Welt schicken würde, um Tanzvideos zu drehen, dann würde ich darüber nachdenken.
F.: Welches von deinen Videos gefällt dir am besten?
A.: Schwer zu sagen. Ich glaube, diese Frage habe ich in jedem Interview anders beantwortet. Wenn ich mich jetzt entscheiden muss, finde ich „Satisfaction" in Versailles immer noch klasse. Meine Beinarbeit, das Licht und die Nostalgie des Ganzen stehen ganz oben auf meiner Liste.
F.: Kannst du, nachdem du fast 50 Videos gedreht hast, eine Entwicklung in deinem Tanzstil feststellen? Hast du eine Art Lieblingsbewegung? A.: Nicht, dass ich wüsste. Aber ich habe gerade bemerkt, dass ich für mein breiter gewordenes Publikum gerne etwas Neues ausprobieren und es besser unterhalten möchte. Die meiste Zeit versuche ich aber, selbst Spaß zu haben und ohne zu stolpern durch das ganze Lied zu kommen. F.: Gibt es eine coole Geschichte, die dir bei den Aufnahmen passiert ist? A.: Als wir für den Dance-Blog im Rockefeller-Center am Times Square gedreht haben, wollte ein Security-Mann, dass wir aufhören. Ich konnte ihn nicht hören, da meine Kopfhörer dröhnten, aber meine Freunde, die mit mir tanzten, haben mir berichtet, dass er in sein Funkgerät gebrüllt hatte: „An alle Einheiten, ich brauche Verstärkung. Wir haben hier ein Problem." Ich muss lachen, wenn ich mir vorstelle, dass jemand Leute, die für ein paar Minuten in der Öffentlichkeit tanzen für so eine Belästigung hält. Wenn du genau hinsiehst, kannst du ihn hinten in der Menge erkennen.
F.: Gab es schon Reaktionen von Bands, deren Songs du verwendest? A.: Ich habe gesehen, dass Sunshine Underground mein Video ihres Songs of ihre MySpace-Seite gestellt haben. Das fand ich sehr cool von ihnen. Eine Plattenfirma, die die Rechte an einem Song hat, hat mich über YouTube informiert, dass sie wüssten, dass ich ihr Lied verwende, aber sie haben nicht verlangt, dass ich das Video rausnehme oder sowas. Das fand ich ganz okay. Bisher also keine Unterlassungsklagen.
F.: In deinen Videos machst du einen ziemlich unerschrockenen Eindruck. Was ist der Unterschied zwischen David Fishel and Dancing Davey?
A.: Der gleiche wie zwischen Clark Kent und Bruce Wayne.
F.: Kommst du dir schon vor wie ein YouTube- oder Internet-Star?
A.: Nein. Die Leute sagen das zwar manchmal, aber ich bekomme bei weitem nicht so viele Treffer wie andere Dinge im Netz. Und ich möchte auch gar kein Star sein. Viele Leute verfolgen meinen Dance-Blog und einige haben sogar ein Fan-Video auf Vimeo gestellt. Aber „Star" geht doch zu weit. Wenn man bedenkt, dass das Internet aus vielen Communities besteht, dann verfüge ich über die Berühmtheit eines Wettermannes bei einem Lokalsender.
F.: Wer ist dein Lieblingsstar auf YouTube? Tronman, Angry German Kid, Sniffing Panda, oder wer?
A.: Um ehrlich zu sein, ich kenne gar nicht so viele. Das Video "Charlie bit me" von den beiden britischen Kindern gefällt mir jedenfalls sehr gut. Ich finde es großartig.
F.: Du bist auch Regisseur und Schauspieler. Was für einen Stellenwert hat Dancing Davey für dich?
F.: Ich bin kein richtiger Schauspieler. Die Idee mit Dance-Blog hat mich fasziniert, weil sie so einfach umzusetzen ist. Ich lege Regeln fest, damit wenig bis gar keine Regie nötig ist. So gesehen gibt mir der DaveyDanceBlog die Chance, von meiner normalen Arbeit Abstand zu nehmen. Ich tanze gerne. Ich mag es, zu improvisieren. Und mir gefällt die darstellende Kunst (vor allem, wenn sie mit gesellschaftlichen Normen spielt).
F.: Arbeitest du zurzeit an anderen Projekten?
A.: Immer. Es gibt da ein paar Kurzfilme, bei denen ich gerade in der Endphase der Postproduction bin. Und ich bereite einen kurzen Puppenfilm vor, den ich in ein paar Wochen drehen werde. Bin schon ganz aufgeregt. In ein paar Monaten, werde ich hoffentlich ein Musikvideo drehen, für das ich gerade zusammen mit einem Freund die Choreographie erarbeite. Hauptberuflich bin ich Cutter. Ich habe also immer zu tun.
F.: Hast du schon Pläne für weitere Videos? Zum Beispiel mal in Asien drehen oder sowas?
A.: Ich würde mit dem DaveyDanceBlog gerne überall hingehen. Im Moment bin ich zeitlich und finanziell eingeschränkt, aber eines Tages vielleicht ...
F.: Was sind das für Leute, die mit dir tanzen? Freunde oder irgendwelche Fremden aus dem Internet.
A.: Ein bisschen von Beidem, aber in erster Linie Freunde.
F.: Letzte Frage: Woran denkst du bei „ceative use of space"?
A.: An alles von dem Stück Papier hier bis zur unberührten Wildnis Sibiriens.