Die Platzwarte von Denvers Infinity Park hatten das Rugbyfeld aufgeräumt, das Equipment war wieder in den gemieteten Anhängern verstaut und die Uhr hatte längst das offizielle Ende der Party eingeläutet, aber Blues Traveler, die Headliner des MINI Takes the States Festivals, mussten eine weitere Zugabe für das begeisterte Publikum geben. Als die Band wieder auf die Bühne kam stimmte Frontmann John Popper eine von der Mundharmonika getragene Version von „The Devil Went Down to Georgia" an - allerdings mit einer kleinen Änderung von Charlie Daniels' Country Hit, nämlich „The Devil Went Down to Denver."
Die Zugabe war mehr als passend. Hier in den USA gilt es als suspekt, verderblich, ja sogar verkommen, die tägliche Schinderei einfach mal für einen einwöchigen Road Trip sausen zu lassen. Aber genau das taten tausende nordamerikanische MINI Fans und fuhren aus allen vier Himmelsrichtungen nach Denver, Colorado - der Mile High City und Endstation von MINI Takes the States 2010.
Was acht Tage zuvor in San Francisco, Los Angeles, Atlanta, Washington, D.C., Chicago und New York begonnen und mit der Zeit in Städten wie Las Vegas, Baltimore, Phoenix, Philadelphia und Salt Lake City an Fahrt gewonnen hatte (und an Fahrern - vielen Fahrern) war nun am Ende angelangt. Oder, wie der unnachahmliche, erschöpfte Popper so schön sagte: „Danke und gute Nacht!"
Aber wie bei jeder Odyssee ist nicht das Ende, sondern der Wegdas Ziel. Hier entstehen Geschichten, die wir später unseren Enkeln erzählen - oder lieber nicht.
Jim McDowell, der Präsident von MINI USA, schwelgte gerade in Erinnerungen an die MTTS '10 Rallye, als wir ihn uns bei der MINI Owners Garage Party zur Brust nahmen. Hier konnten die Gäste nicht nur Projektionen der Fotos aus dem MTTS Flickr Pool genießen, sondern auch den prächtigen neuen MINI Countryman, eine ganze Armee von Appetithäppchen und Colorados leckerstes lokales Bier: Fat Tire Amber Ale. McDowell hatte eine wackere Truppe aus Neu England von Boston aus durch Pennsylvania, die Mittatlantikstaaten, Ohio, Indiana, Missouri, Kansas und Colorado geführt. McDowell erinnert sich an eine witzige Begebenheit auf dem Weg aus Columbus heraus. „Wir führten circa 30 oder 40 MINI auf einer Alternativstrecke aus der Stadt heraus und konnten ordentlich Gas geben, ohne dass wir Ärger mit der Highway Patrol bekamen", so McDowell. „Irgendwann fuhren wir an einem Auto vorbei, das nach einem Eiswagen aussah. Kurz darauf war der Eiswagen umschwärmt von A 40 MINI, hielt an und ich kaufte für bestimmt 85 Dollar Eis für alle. Es was großartig." McDowells Wahl? „Ein Chili-Limone Eis am Stiel."
Draußen analysierten Passanten die Unterschiede zwischen dem MINI Countryman Cooper, dem MINI Countryman Cooper S und dem MINI Countryman Cooper S ALL4 (Allrad), die vor dem Eingang der Party geparkt waren. Wo er auch auftauchte, sorgte der MINI Countryman für Aufregung. Auf der Rallye-Etappe durch den Mittleren Westen wurde er über den legendären Indianapolis Motor Speedway gefahren, wo er Dutzende seiner MINI Kollegen über ein paar heiße Runden anführte.
Ian Warner aus Greenville, Ohio, war beeindruckt. „Er sah toll aus auf der Strecke", schwärmte er vom MINI Countryman. „Beim Runden drehen durften wir nicht schneller als 50 km/h fahren, aber auf der Geraden haben wir bestimmt bis zu 110 km/h erreicht. Einige Leute redeten danach sogar von 145-150." Ian fuhr zusammen mit seiner Schwester Ashlae und seinem Vater David einen MINI Cooper S in Chili Red mit weißem Dach nach Colorado, wo sie Ians Freund Thomas Cassidy aus Denver trafen. „Es ist ein ziemlich cooler Wagen", bewunderte Cassidy den MINI Countryman. „Hier in Colorado könnte ich einen MINI mit Allradantrieb echt gebrauchen."
Der MINI Cooper S der Familie Warner hat es in sich. „Irgendwann habe ich meinen '03er zum Ölwechsel gebracht und bin mit einem '05er nach Hause gekommen", gestand David. „Die gleiche Farbe, Chili Red mit weißem Dach, und ich habe es meiner Frau nicht erzählt." David reibt sich die Hände. „Erst Monate später, als sie die Sitzheizung anstellen wollte, die im '05er gar nicht vorhanden war, wurde ihr klar, dass es ein völlig anderer Wagen war!" Allgemeines Gelächter, außer vermutlich von Davids Frau, die nicht an der Rallye teilgenommen hatte.
Auf der Party waren auch einige MTTS Veteranen anwesend. Akemi Ishikawa und David Coffman aus San Francisco waren sowohl 2006 als auch 2008 bei den Rallyes mitgefahren. Dieses Jahr hatte Bonneville Ishikawa am meisten beeindruckt. „In der Salzwüste zu sein war ein einmaliges Erlebnis", erzählt sie.
„MINI Besitzer verhätscheln ihre Autos unglaublich, aber da draußen auf dem Salz konnten wohl alle mal ihre Sorgen vergessen und die unglaubliche Landschaft genießen."
Aber auch die Liebe nicht automobiler Art kam auf der Party nicht zu kurz. Kat Hsueh und Brent Lay aus San Jose, Kalifornien hatten sich 2007 am MINI Track Day der nordkalifornischen Thunderhill Raceway Rennstrecke kennengelernt. Auf der Party tauschten sie die Ringe aus und gelobten „niemals zu untersteuern" und „allen anderen zu entsagen, auch Porsche."
Sogar unter MINI Fahrern kann man das als ungewöhnliches Verhalten bezeichnen. Von was genau wurden wir da gerade Zeuge? „Wir waren schon seit zwei Monaten verlobt", erklärt Hsueh später. „Wir dachten an eine heimliche Trauung, aber MINI fragte uns, ob wir nicht hier heiraten wollten, und da waren wir Feuer und Flamme."
Zurzeit parkt Lay seinen MINI Cooper S in Chili Red neben dem MINI John Cooper Works in British Racing Green seiner Braut, aber Hsueh glaubt, dass sich in Zukunft in ihrer Garage einiges ändern wird. „Wenn wir eine Familie gründen, will ich lieber einen Viertürer, also werde ich auf jeden Fall den Countryman in Erwägung ziehen", so Hsueh.
Nach einer erholsamen Nacht fuhren die Frühaufsteher zum legendären Red Rocks Amphitheater westlich von Denver, dem U2 1983 zu Ruhm und Ehre verhalfen und wo sich John Tesh 1995 auch die (eher zweifelhafte) Ehre gab.
Kelly Hood und Carol Brooks kamen mit ihren MINI Cooper und ihren Cavalier King Charles Spanieln Nigel und Hillary auf dem Rücksitz aus dem nahe gelegenen Boulder. „Es ist so aufregend", erzählte Hood begeistert mit einem Blick auf die über 200 MINI auf dem Parkplatz. Auf die Frage, ob sie auch bei zukünftigen MTTS Rallyes dabei wären, zögerte Brooks nicht: „Oh, definitiv."
Später am Nachmittag, nach einer Straßenrallye um Red Rocks, füllte sich das Rugbyfeld des Infinity Parks mit Feierwütigen, die bereit waren, ihre Woche mit dem MINI Takes the States Festival abzuschließen - mit acht Stunden wildem Rock 'n' Blues unter dem klaren Himmel Denvers.
Während die Festivalbesucher die Musik genossen, zog es die Geschwindigkeitsjunkies zur nahe gelegenen MINIcross Strecke, wo MINI Besitzer ihr Können beim Slalomfahren erproben konnten. Über dem Lärm aufheulender Motoren, springender Kupplungen und quietschender Bremsen - oder Stille im Fall des vollelektrischen MINI E, - berichtete die 16-Jährige Savannah Rickli von ihrem Rekord, den sie im Juni beim Pikes Peak International Hill Climb Bergrennen aufgestellt hatte. Sie ist die jüngste Teilnehmerin, die je den 4.301 Meter hohen Gipfel erklommen hat. Und zwar mit einem Mini.
Wie sie stolz neben ihrem mit einer Überrollvorrichtung ausgestatteten MINI Cooper S 2003 steht, klingt Rickli wie ein hartgesottener Rennfahrer. „Wir haben ein Sperrdifferential eingebaut, um das Drehmoment zu verteilen. Und der Motor hat einen Kompressor." Natürlich hat Rickli von MINIs Absicht gehört, mit seinem MINI Countryman WRC racer an der FIA World Rally Championship teilzunehmen. Und natürlich würde sie alles tun, um ihn zu fahren. „Das wäre so unglaublich toll", schwärmt sie.
Obwohl Berichten zufolge bis spät in die Nacht gefeiert wurde, gingen die meisten Festivalbesucher nach dem mitreißenden Auftritt der „Blues Travelers" schlafen. Am Sonntag versammelten sich die MINI Fahrer am Parkplatz des Infinity Park in der Dämmerung in einem sagenhaften Rocky Mountain blauim, um sich einander eine sichere Heimreise zu wünschen.
Bei einem Morgenkaffee erzählten Paul und Molly Nolte aus Okemos, Michigan, von ihrer MTTS Route. Sie hatten sich der Rallye bei Grand Rapids angeschlossen und, wie die Warners, das legendäre Oval des Indianapolis Motor Speedway getestet. Aber die Noltes sind keine Anfänger, was feurige MINI Fahrten betrifft. In vergangenen Jahren sind sie mit anderen MINI Fans über die „Tail of the Dragon" genannte Teilstrecke der Route 129 im östlichen Tennessee gesaust. Ihre Geschichte gehört ins MINI Archiv.
Bevor wir uns kennen lernten, hatten wir beide einen MINI Cooper S in electric blue", erinnerte sich Molly. Nachdem die automobilen Vorlieben geklärt waren konnten sich die beiden ohne zu Zögern ineinander verlieben. „Wir haben uns auf dem Dragon Trip verlobt und letztes Jahr geheiratet", erzählte Paul, während er und Molly uns ihre Eheringe zeigten: Beide sind aus Titan mit einem Inlay aus Kohlefaser in electric blue.
Als Paul seine Blicke über einen Parkplatz voller strahlender Gesichter und MINI jeder Couleur gleiten ließ, überlegte Paul laut: „Welcher andere Autohersteller würde so etwas für seine Kunden machen?"
Genauso gut hätte er fragen können: „Welches andere Auto könnte seine Fahrer zu solcher Hingabe bewegen?"