Es ist immer eine schöne Überraschung, sich auf MINIspace herumzutreiben und frische und inspirierende Talente zu finden. Miroslav Kostic ist eines von ihnen. Wir haben den jungen serbischen Designer für unsere Serie Portfolio der Woche getroffen und uns über Comics, serbische Street Art und außerirdische Erfahrungen unterhalten...
F.: Hey Miroslav, toll, dass du hier bist. Kannst du uns zu Anfang bitte erzählen, was du machst?
A.: Ich schikaniere Leute damit, die Soundeffekte für meinen bald erscheinenden animierten Film zu machen. Das sind tolle Leute und sie machen das so gut sie es können, aber ich muss eine Nervensäge von Regisseur sein, damit wir alles für das Animation-Festival PISAF 2008 fertig bekommen.
F.: Der Einfluss von Comics ist sehr gut in deinen Illustrationen zu erkennen. Eine alte Leidenschaft, die du in deiner Kindheit entwickelt hast?
A.: Das sagt jeder! Nein, es ist so, ich habe als Kind keine Comics gelesen. Hier in Serbien gab es nur italienische Comics wie Dylan Dog und andere Comics von Bonelli. DC- oder Marvel-Comics gab es nicht. Als wir die dann in den späten Neunzigern entdeckten, wollten wir alle so etwas Ähnliches machen. Heute ist mein Stil dem sehr ähnlich, weil Comics mir immer noch frisch im Gedächtnis sind.
F.: Wie hast du dich zu dem Künstler entwickelt, der du jetzt bist? Ich habe gelesen, dass du auf eine Kunsthochschule gegangen bist, um ein professioneller Designer zu werden! A.: Ja, ich bin auf die Hochschule für Grafikdesign gegangen und später auf die Kunstakademie, um Visuelle Kommunikation zu studieren, aber meine Hochschulen haben mich nicht zu dem gemacht, der ich heute bin. Das war die Arbeit, die ich außerhalb der Uni gemacht habe, von Graffiti und Street Art bis hin zu Comics und freiberuflicher Designarbeit.
Klick auf ein Bild, um zur Gallerie zu kommen (13 Bilder)
F.: Beschreibe deinen Stil in fünf Worten...
A.: Modern, farbenfroh, schrill, designt und aggressiv.
F.: Wie sieht es mit der Kreativszene in Serbien aus? Gibt es einen interessanten Underground? A.: Nein... Ich lebe in der zweitgrößten Stadt Serbiens, in Novi Sad. Und wenn ich meinen Sticker auf ein Straßenschild klebe, ist das der einzige Sticker da drauf. Traurig... Die Künstler hier beschäftigen sich mehr damit, Geld zu verdienen als Kunst zu machen. Es gibt ein paar Graffiti-Crews und das war's. Es war mal besser, aber jetzt kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein neues Graffiti gesehen habe.
F.: Erzähl uns was von den Projekten, an denen du derzeit arbeitest. Du machst also einen animierten Film?
A.: Ich versuche gerade, meinen ersten animierten Film fertig zu machen. Ich habe alles fertig, nur die Musik und die Soundeffekte fehlen noch. Und das ist das größte Problem: Ich habe einfach kein Talent dafür, Musik zu machen. Deswegen muss ich mich auf andere Leute verlassen - und die sind nicht wirklich zuverlässig. Mein Motto ist: Wenn du was gebacken kriegen willst, mach es selbst. Ich habe auch eine UFO-Website gestartet, auf der Leute ihre Sichtungen online stellen und darüber diskutieren können. Ich muss sagen, dass ich selber kein UFO-Freak bin; mich fasziniert nur die Idee. Und man muss sich vorstellen, wie aufregend es ist, der Vermittler zwischen Leuten zu sein, die behaupten außerirdische Erfahrungen gehabt zu haben.
F.: Woher nimmst du deine Inspiration? Gibt es ein Hauptthema, das sich durch deine Kunst zieht?
A.: Ich lasse mich von allem inspirieren, aber hauptsächlich vom Web. Im Netz gibt es Orte, wo du Kunst von Leuten sehen kannst, die noch nie etwas veröffentlicht haben, die aber brillant sind im Vergleich zu Leuten, die jeden Tag ihr Zeug veröffentlichen, deren Kunst aber so viel fehlt. Ich lasse mich von beiden Arten von Leuten inspirieren. Ich werde auch von den großartigen Werken der alten Meister inspiriert - aber wer wird das nicht!
F.: Hast du interessante Projekte für die Zukunft in petto? Irgendwelche Pläne, was als nächstes kommt? A.: Ich plane einen Comicroman mit meiner eigenen Geschichte. Der Arbeitstitel lautet: Die Abenteuer von Bep Kororoti. Es wird eine Geschichte über Bep Kororoti sein, ein von den Kayapo-Indianern abgeleiteter Mythos.
F.: Wessen Arbeit schätzt du momentan wirklich?
A.: Die Arbeit von Gennady Tartakovsky mag ich sehr, einem Künstler, der Cartooncharaktere wie Samurai Jack und Dexter aus Dexters Labor erschaffen hat und auch einen „Star Wars Clone Wars"-Cartoon gemacht hat. Ich finde, dass der Typ gute Arbeit macht, aber leider wird er nicht ausreichend gewürdigt.