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Creative use of space

Jeremiah Maddock über Buchdeckel als Leinwände 08. März 2010

Jeremiah Maddock ist ein Maler und Illustrator aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn. Er malt am liebsten auf alten Buchdeckeln und stellt seine eigenen Farben aus alten Markern her. Sein wunderbar verschlungener Stil ist aber alles andere als recycelt. Wir hatten die Gelegenheit, ihm einige Fragen zu stellen.
 
Jeremiah Maddock
 
Beginnst du die Arbeit an einem neuen Werk mit einer vollständig ausgeformten Idee, wie es letztendlich aussehen wird?
 
Nein, nie. Ich habe das mal probiert, aber es scheint so, als ob eine Szene oder Idee schon passé ist, wenn sie mir durch den Kopf gegangen ist. Ich verliere schlicht das Interesse, wenn sie sich nicht unmittelbar vor meinen Augen entfaltet. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte die Geduld aufbringen, denn das, was ich vor dem geistigen Auge sehe, stellt alles in den Schatten, was ich jemals auf die Leinwand gebracht habe.
 
Jeremiah Maddock
 
Mit welchen Medien arbeitest du?
 
Mit Markern und Kugelschreibern am liebsten, mit ihnen kann ich ohne Verzögerung arbeiten und mit meinen Gedanken Schritt halten. Wenn den Stiften die Farbe ausgeht, nehme ich sie auseinander und vermische die Reste mit Alkohol und/oder Xylen, um daraus neue Farben und Stifte zu machen.
 
Ich nutze also Tinte, Kugelschreiber, Marker, Wasserfarben, Gouache, Öl- und Akrylfarbe, Papier, Holz und Beize, Metallgravuren - eigentlich alles, das ich gerade zur Hand habe.
 
Mein Lieblingsuntergrund ist wohl schlicht Papier. Mir macht es Spaß zu beobachten, wie die Tinte in die Oberfläche einsickert. Außerdem ist das Material billig und leicht zu bekommen. In ganz Brooklyn schmeißen die Leute die Bücher ja stapelweise auf die Straße. Ich reiße die Deckblätter heraus (außer bei denen, die ich gerne lese) und verwende sie. Buchdeckel kann ich leicht ausstellen, sie haben auch eine reliktartige Qualität. Außerdem denke ich mir, dass ich mit Sachen, die für den Müll bestimmt sind, nicht falsch liegen kann. Ich kann die Dinge ja nur einem besseren Zweck zuführen und für mehr Platz auf den Müllhalden sorgen... Ein sehr befreiender Gedanke, der mir das Herumspielen erleichtert.
 
Jeremiah Maddock
 
Gibt es einen einfachen Schlüssel zum Erfolg als Künstler?
 
Wenn ihr liebt, was ihr tut, haltet daran fest. Ich denke, dass man es jeder Kunstform ansieht, ob der Künstler Herzblut eingebracht hat. Für Promotion, Networking und Projektplanung habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich Zeit. Vielleicht bin ich naiv in meiner Denkweise, dass alles sich in die richtige Richtung entwickelt, wenn ich mich nur auf das konzentriere, was mir wirklich wichtig ist: Meine Leute und meine Kunst. Interviews für Blogs oder Magazine scheinen aber jedes Mal neue Türen zu öffnen, genauso wie jede Show, die ich mache. Zu jeder Tür gibt es wohl einen neuen Schlüsselbund.
 
Welche Dinge, Personen oder Orte in deinem Leben motivieren und inspirieren dich für deine kreative Arbeit?
 
Ich lebe derzeit in einer Buchdruckerei, der Besitzer hat mir angeboten, ein halbes Jahr kostenlos wohnen zu bleiben. Er inspiriert mich auf subtile Art, er ist liebenswürdig und lustig, bescheiden und tiefgründig. Mein Freund Dave Schubert motiviert mich ebenfalls sehr. Er hält mich auf Trab und eröffnet mir Perspektiven, wenn er denkt, das ich sie nötig habe, und meistens hat er recht. Ich hoffe, dass er das hier nicht liest...
 
Ich bin mir nicht sicher, ob schneebedeckte Berge mich inspirieren, aber sie versetzen mich in Erstaunen, egal ob von einem Flugzeugfenster, aus der Ferne oder indem ich auf ihnen herumkraxele.
 
Jeremiah Maddock
 
Wie haben deine Reisen deine Arbeit als Künstler beeinflusst?
 
Bislang hat es mir in Südostasien am besten gefallen, in Kambodscha, um genau zu sein.
 
Was mir auch über den Weg läuft, beeinflusst mich und meine Arbeit, aber ich habe eine große Neugier gegenüber der Welt und all ihren unterschiedlichen Kulturen. Menschen faszinieren mich.
 
Beim Reisen ist man in gewisser Weise der eigenen Kindheit noch einmal am nächsten. Man sucht sich eine Richtung aus und läuft los. Mal schauen, was passiert und wem man begegnet. Mit Fremden zu sprechen fällt mir irgendwie leichter, wenn ich weit weg von zu Hause bin. Vielleicht hebt gerade dieses „nicht kennen" die Sinne auf eine andere Ebene. Jedes Mal, wenn ich mich von Ort zu Ort bewege und neue Sachen und Menschen entdecke, bin ich am inspiriertesten. Je weiter weg ich von meiner Heimat bin, desto mehr fühle ich mich zu Hause.
 
Jeremiah Maddock
 
Derzeit arbeitet Jeremiah an einer Ausstellung mit SF Electric Works, die am 10. März eröffnet wird, sowie an einer Solo-Show in Brooklyn im September 2010 in der Galerie Factory Fresh.
 
Außerdem arbeitet er an verschiedenen Gruppenausstellungen mit, unter anderem an „5 Easy Pieces" in London. Jeder Künstler steuert fünf Stücke bei, die auf fünf Musikstücken basieren, die der Künstler interpretieren will. Jeremiah hat sich unter anderem „A Rainbow in Curved Air" von Terry Riley ausgesucht.
 
 
 
 
 
 
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