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Tycho oder der Mix aus Musik, Kunst und Design: Scott Hansen ist ein Mann mit vielen Talenten

Scott Hansen ist ein Mann mit vielen Talenten und hat unermüdlich gearbeitet, um über eine Bandbreite unterschiedlicher Medien seine persönliche Ästhetik zu entwickeln. Als Tycho nimmt er wunderschön detailreiche elektronische Musik für Ghostly International auf. Zusammen mit anderen unterhält er den renommierten Blog ISO50, der sein Interesse an Musik, Design, Branding und Fotografie widerspiegelt und seine eigenen Werke aus Kunst und Fotografie beherbergt.

Scott Hansen — Tycho

Obwohl Hansen sowohl bei Kunst als auch Musik einen ganz klar nostalgischen Geschmack hat, sind seine Werke durch eine moderne Perspektive gleichzeitig doch aktuell. Die Werke des gebürtigen Kaliforniers werden oft als ”lichtgetränkt” beschrieben; tatsächlich rufen sie eine eher nachdenkliche Tagsüber-Stimmung hervor, mit der er sich von der pulsierenden, nächtlichen Clubbing-Atmosphäre abhebt, mit der man elektronische Musik für gewöhnlich assoziiert. Er ist ein Perfektionist und arbeitet pausenlos, um sämtliche Aspekte seiner Arbeit als Tycho miteinander in Einklang zu bringen; vom Aufnehmen und Produzieren der Musik selbst bis hin zu Kunst und Design hinter der gelungenen Gatefold-LP seiner neuesten Veröffentlichung Dive. Aus altem Filmmaterial mit Luft- und Wasseraufnahmen sowie abenteuerlichen Szenen kreiert er eine visuelle Begleitung für seine Live-Shows; er bearbeitet alte Clips, die er fotorealistisch visualisiert und damit Effekte erzeugt, die sich nahtlos in seinen reichhaltigen akustischen Hintergrund einreihen. Als Künstler ist er um ständige Weiterentwicklung bemüht und arbeitet aktuell mit Regisseur Charles Bergquist an einem Film, der noch besser in der Lage sein soll, die Geschichte zu erzählen, die seine Musik zu vermitteln versucht.

Scott Hansen — Tycho

Wie hat sich Deine Art, Musik zu machen und zu produzieren über die Jahre verändert? Es scheint, als hättest Du einen ähnlichen Sound beibehalten, jedoch mit einer leichten Weiterentwicklung, was den Aufbau der Stücke angeht.

Scott Hansen — Tycho

Einerseits war das glaube ich ein gezielter Vorstoß, andererseits einfach eine natürliche Entwicklung. Wenn man etwas lernt und dann immer weiter probt, hat das logischerweise eine Auswirkung auf das Ergebnis. Etwas, das ich zwischen diesem und dem letzten Album machen wollte – deswegen hat es auch so lange gedauert – war, meine Fähigkeiten als Produzent weiter auszufeilen, aber auch, ein richtiger Songwriter und Musiker zu werden. Also habe ich angefangen, Gitarre zu lernen und habe hauptsächlich damit Songs geschrieben, um von den Dogmen und Mustern wegzukommen, in die ich durch die vorher sehr Keyboard-lastige Arbeit gefallen war. Wenn das letzte Album also eine Art Prototyp für diesen neuen Sound war, ist Dive nun die vollständige Umsetzung; in Zukunft schlage ich dann vielleicht bewusster von hier aus eine andere Richtung ein.

Spielst Du gerne live oder ist es für Dich eher ein notwendiges Übel, wenn man professionell Musik machen will?

Scott Hansen — Tycho

Noch vor einem Jahr hätte ich wohl Letzteres gesagt, aber mittlerweile hat sich meine Sichtweise geändert. Es hat mir keinen Spaß gemacht, alleine zu spielen. Ich hatte das Gefühl, dass ich live nichts vermitteln konnte, das über das bloße Spielen der Songs Wort für Wort und meine physische Anwesenheit hinausgeht. Aber als ich dann angefangen habe, mit der Band zu arbeiten, war es wirklich eine völlig neue Erfahrung, dort oben mit anderen Leuten zu stehen, mit ihnen zusammen zu arbeiten und gemeinsam Musik zu machen. Und als ich schließlich über die Ängste und Befürchtungen, vor Leuten dort oben zu stehen, hinweg war, mich wohler fühlte und an der Sache selbst Spaß finden konnte, wurde es zu etwas, dass ich wirklich und wahrhaftig liebe – fast so sehr, wie neue Musik zu schaffen.

Welche Städte oder Orte, die Du auf Eurer Tour besucht hast, magst Du am liebsten?

Chicago habe ich schon immer sehr gemocht. New York natürlich. Portland ist auch jedes Mal wieder großartig. Aber das sind letztendlich „nur“ amerikanische Städte und in allen davon war ich bereits – unabhängig von der Musik. Aber die ersten paar Male, die ich in Europa war, waren ziemlich intensive Erfahrungen und unser letzter Trip war der längste Aufenthalt dort an einem Stück. Wir waren etwa einen Monat lang da und für diesen Zeitraum in eine andere Kultur einzutauchen war etwas völlig Neues. Da war immer dieses Gefühl von „Woher zum Teufel wissen diese Leute überhaupt, wer wir sind?“ Vor unserer Reise wusste ich nicht so recht, was uns erwartet und ob überhaupt jemand kommen würde, daher war die Resonanz ziemlich überwältigend. Auch wenn man sich einen Moment Zeit nimmt und versucht, zu realisieren, dass man gerade in einer Stadt auf der anderen Seite der Welt eine Show macht…Für einen Künstler ist es unbeschreiblich, wenn man sich auf die Anfänge besinnt und dann sieht, wie den Leuten die Musik gefällt – und das an Orten, an denen man vorher noch nie war!

Scott Hansen — Tycho

Ich weiß, dass Du ein großer Fan von Vintage-Fotografie und alten Kameras bist, aber es sieht so aus, als ob Du an einigen der der neuen Technologien und Formate ebenfalls Gefallen findest – wie zum Beispiel Instagram (zu sehen auf Scotts Blog @ISO50).

Fotografie ist momentan eine Art wunder Punkt für mich. Früher hatte ich das Gefühl, dass es so ein großer Teil von dem ist, was ich mache und ich habe mich selbst als jemanden gesehen, dem Fotografie wirklich wichtig ist. Und heute nehme ich nicht mal mehr die Kamera mit. Zum Teil liegt es daran, dass ich nicht genug Zeit habe oder keine Lust, sie auf Tour mit mir herumzuschleppen, aber auf der anderen Seite hat man diese unglaublich gute Kamera in der Tasche und diese ganzen Bildbearbeitungstools zur Verfügung, deshalb ist es wohl automatisch so gekommen. Bei Instagram gefällt mir die Idee einer sozialen Plattform. Die Bildbearbeitungstools benutze ich eigentlich nicht so viel. Ich finde es einfach cool, wie eine Art Twitter, nur mit Bildern. Wenn ich am Ende des Tages ein Bild hochlade, das mir gefällt, habe ich immer gemischte Gefühle und denke “Hätte ich das mit einer richtigen Kamera aufgenommen, könnte ich es jetzt drucken und es sähe toll aus”. Oder wenn ich abends unterwegs bin und das iPhone nutzlos ist, wünsche ich mir immer, ich hätte meine echte Kamera dabei.

Scott Hansen — Tycho

Aber wie Du gesagt hast, könnten manche der Bilder, die Du mit dem iPhone aufgenommen hast, Poster sein – beispielsweise das am Strand in Barcelona.

Ja, das war so ein cooler Tag und es ist eigentlich komisch, denn der Strand hat in Wirklichkeit gar nicht so ausgesehen. Aber auch das ist das Schöne an Fotografie; man kann Szenen idealisieren, die vielleicht überhaupt nie so ausgesehen haben, aber in Deinem Kopf haben sie es doch oder Du hast sie so wahrgenommen. Das Coole an Fotografie ist, dass man weiß, dass das Motiv einmal echt war, doch jetzt wird es durch den Filter Deiner Augen gesehen und zwar auf die Art und Weise, wie Du es selbst wahrgenommen hast.

Scott Hansen — Tycho

Nimmst Du Dir jemals die Zeit, außer wenn Du schläfst, um komplett abzuschalten? Kein Input, kein Output, einfach mal gar nichts?

Scott Hansen — Tycho

Ein paar Jahre vor Erscheinen des Albums hatte ich wirklich den Blick fürs Wesentliche und grundsätzlich eine Richtung in meinem Leben verloren. Ich wusste zum Beispiel nicht, ob ich noch Musik machen wollte und hatte keinen Spaß mehr an Design als solches. Als ich dann wieder damit angefangen habe, war ich so froh, meine Liebe für diese Dinge wiedergefunden zu haben, dass ich seitdem im Grunde immer Vollgas gebe; ich hatte das Gefühl, meine Vision wiedergefunden zu haben und habe das, was ich ausdrücken wollte, klar und deutlich gesehen – für einen Künstler ist das wirklich spannend. Also habe ich mir nicht besonders viel Ruhe gegönnt, aber ich glaube, so bin ich einfach. Ich fühle mich nur wohl, wenn gerade etwas in Arbeit ist. Im Studio ist es fast so, als würde ich dieses Vakuum in meinem Kopf erzeugen, das dann dazu führt, dass ich Musik zu meinem eigenen Vergnügen schaffe. Das war immer meine bevorzugte Art, etwas zu kreieren, denn ich erschaffe im wahrsten Sinne des Wortes genau den Song, den ich hören will.

Du veröffentlichst viele alte Werbeposter auf dem ISO50 Blog. Was an diesen Bildern zieht Dich an und was glaubst Du fehlt den heutigen Marken in Bezug auf visuellen Anspruch?

Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht und so richtig eingrenzen konnte ich es bis heute nicht. Worauf ich immer wieder zurückkomme ist die starke Verbreitung von Publishing Software, mit der sich heute jeder für wenig Geld hinsetzen kann und entsetzliche Markenzeichen und Grafiken erstellen kann. Wohingegen der Tante-Emma-Laden um die Ecke einen echten Künstler bezahlen musste, einen Kunsthandwerker, der ein Leben lang mit seinen eigenen Händen gearbeitet und Schilder gefertigt und bemalt hat. Sie haben ziemlich viel Geld ausgegeben, damit er dieses Schild für sie erstellt und haben es dann für immer behalten. Heute hingegen heißt es eher “Oh, wir brauchen dieses Jahr ein neues Logo”, und ein Jahr später genauso. Also geht man in einen Laden und kauft für wenig Geld ein Design, so dass es eine Art Einweg-Shopping geworden ist. Ich denke, es liegt daran, dass Design zu einem Wegwerf-Gut geworden ist; andererseits versuchen die Werbemacher auch nicht, Designern oder Künstlern Orangensaft zu verkaufen, sondern sie versuchen, es jedem auf der Welt zu verkaufen. Dabei haben sie gemerkt, dass es nicht einmal besonders toll aussehen muss, es muss nur die richtigen Knöpfe drücken. Sie sind also nur scharfsinnigere Beobachter der menschlichen Natur beziehungsweise der Art, wie die Leute manipuliert sind. Wir Künstler sehen uns etwas an und denken „Naja, sieht besch… aus“, doch den Leuten, die diese Werbung machen, geht es in Wirklichkeit nur darum, Orangensaft zu verkaufen – egal mit welchen Mitteln.

Links zum Thema:

http://blog.iso50.com/
http://ghostly.com/artists/tycho
http://www.minispace.com/en_us/people/profile/tycho/
http://work.charlesbergquist.com/
http://www.blog.charlesbergquist.com/

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