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Creative use of space

Urban Artist Sofia Maldonado räumt Missverständnisse aus der Welt 21. September 2011

"Urban Art." Dieser Ausdruck schwirrt ständig in kreativen Kreisen herum, definieren können ihn allerdings die wenigsten. Ist es Graffiti? Ist es Streetart? Kann Urban Art in einer Galerie ausgestellt werden? Das letzte Wort ist bei Weitem noch nicht gesprochen. Doch genau das macht die Bewegung so reizvoll, so gegenwärtig und so lebendig. Denn in Wahrheit gilt es „Urban Art" noch zu definieren.
 
Ad Hoc's Queens mural project (detail) 2010
© Sofia Maldonado
 
 
Die Werke der Künstlerin Sofia Maldonado haben den süßen Beigeschmack dieses schwer zu erfassenden Genres. Sofia wuchs in San Juan, Puerto Rico, auf und kam in ihrem zweiten High School-Jahr mit der heimischen Streetart-Szene in Berührung. Seitdem ist sie hartnäckig dabeigeblieben.
 
Ihre grellen Farben und wilden Linien hauchen den größtenteils portraitierten Bildern Leben ein; wundersamer Weise machen sie sich in einer Galerie in Chelsea genauso gut wie in den sandigen Gassen von Alt San Juan.
 
"Beyond Bling: Voices of Hip-Hop in Art" Ausstellung im Ringling Museum of Art, Sarasota in Florida, 2011
© Sofia Maldonado
 
 
Sofia, 27, konfrontiert ihre karibischen Wurzeln mit einiger rauer und merklich urbaner Weiblichkeit, gepaart mit einer unbestreitbaren Faszination für kulturelle, klassenbedingte Unterschiede. So bietet sie ihrem Publikum allerlei Stoff für Diskussionen. Letztes Jahr löste ihre Wandmalerei in der 42nd Street auf dem New Yorker Times Square eine hitzige Debatte aus- vor allem unter dort ansässigen Minderheitengruppen. Von manchen gefeiert, von anderen verachtet, hat die darauf folgende Diskussion die Einheimischen dazu gezwungen, sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen und deutlich zu artikulieren, wie sie denn ihrer Meinung nach dargestellt werden „sollten".
 
Sofia Maldonado
Sofia Maldonado
Sofia sprach mit uns über den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten im Blickpunkt der Öffentlichkeit, darüber, wie sie es geschafft hat,aus San Juans schäbiger Streetart-Szene herauszukommen- und nun in Chelseas im Rampenlicht zu stehen. Und über Pläne für ihre nächsten Projekte. Sie hat ein selbstreflektierendes, offenes Wesen, ist voller Tatendrang und definitiv jemand, den man auf dem Schirm haben sollte.
 
 
 
 
 
Wo lebst Du zurzeit und was hat Dich dorthin geführt?
 
Ich hab meinen M.F.A am Pratt Institute in New York gemacht und während ich hier lebte, hat sich das mit der MagnanMetz Gallery ergeben; also entschied ich mich, zu bleiben. Ich würde wirklich nicht mehrin Puerto Rico leben wollen, aber ich habe eine Menge Projekte, Sammler und Freunde dort.
 
 
Wenn ich mir Deine Werke ansehe, muss ich irgendwie immer an Dr. Seuss denken; trotz ihres gewichtigen Inhalts sind sie irgendwie spielerisch.
 
Haha, ja, das sagen die Leute öfter. Vielleicht habe ich eine vage Erinnerung an Dr. Seuss aus der Kindheit, aber er ist nicht etwa eine direkte Inspirationsquelle Als solche würde ich eher meine karibische Heimatlandschaft und den Ozean bezeichnen.
 
"The Bowl" im El Yunque Regenwald in Puerto Rico. Teil der Reihe "Tropical Storm"
© Sofia Maldonado
 
 
Du hast einen sehr ausgeprägten Stil. Wie genau ist er entstanden?
 
Mit dieser Art von Kunst habe ich in Puerto Rico angefangen. Und dann, im Laufe der Jahre, seit ich in New York lebe, wurde sie immer plastischer. Es ist schwer zu sagen, ob diese Veränderung mit meiner erlangten Reife zu tun hat oder ob sie bloß die New Yorker Kultur widerspiegelt. Ich glaube, es hat mit beidem zu tun. Meine Figuren hatten wirklich etwas mit puerto-ricanischer Kultur zu tun. Als ich noch dort gelebt habe, habe ich mir viele Fashionista Styles angesehen und in meine Figuren einfließen lassen. Jetzt, da ich in New York bin, erinnere ich mich an Puerto Rico zurück, um mich inspirieren zu lassen.
 
 
 
Im Frühling 2010 hast Du ein riesiges Wandgemälde, das einige Diskussionen entfachte, in der 42nd Street auf dem Times Square gemalt. Wie hast Du auf diese Kontroversen reagiert?
 
Ich habe diese Figuren schon eine ganze Weile gemalt, aber als diese Diskussion plötzlich aufkam, habe ich sehr viel drüber nachgedacht. Etwa, warum genau ich sie eigentlich male. Danach habe ich eine Zeit lang mehr oder weniger damit aufgehört, weil ich dachte, wenn ich sie wieder male, muss ich gut aufpassen, weil sie so sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen.
 
42nd Street Mural
Sofias umstrittene Wandmalerei in der 42nd Street in New York, 2010
© Sofia Maldonado
 
 
Wisst Ihr, ich mache ziemlich viel Streetart. Bei Streetart malt man viele Figuren, man macht immer irgendetwas, und als ich in Puerto Rico lebte, waren diese Frauen meine Figuren - so etwas wie meine Signatur. Aber wenn man sie außerhalb der Streeatart-Kultur, für einen öffentlich finanzierten Auftrag, malt, muss man wohl etwas vorsichtiger sein. Also habe ich erstmal damit aufgehört, sie zu malen. Für den Moment, haha. Sie werden allerdings auf eindrucksvolle Art wiederkommen.
 
Teil des Wandgemäldes "Que paso mai!?" (Was ist los, Mädel?) in Hartford, Connecticut, 2009
Es klingt, als ob Dich deine Kritiker tatsächlich in die Knie gezwungen haben.
 
Naja, schon, aber ich bin auch wirklich froh darüber, denn, obwohl es viele Diskussionen gab, war die Malerei trotzdem gut. Und gerade wegen dieser Diskussionen durfte das Wandgemälde zur Ringling Museumsausstellung nach Sarasota in Florida. Es hat dazu beigetragen, der Wandmalerei ein eigenes Leben zu geben. Von mir, der Künstlerin, ist es nun getrennt.
 
Wie gesagt, nach der Debatte habe ich erst einmal aufgehört, solche Figuren zu malen. Ich dachte, ich müsste zurück zu den Ursprüngen, zu den weiblichen Underground Hip-Hoppern. Vor dem Projekt in der 42nd Street habe ich ein Wandgemälde in Connecticut angefertigt und ich glaube, dass durch dieses Gemälde das in der 42nd Street entstanden ist. Ich bekam den Auftrag, ein Wandgemälde in dieser sehr lateinamerikanischen, puerto-ricanischen Straße zu malen. Für den Auftrag habe ich die Figuren auf Holzausschnitte gemalt und, während ich damit durch die Gegend gelaufen bin, bin ich in einen Salon gegangen, um mir die Nägel machen zu lassen. Dort habe ich beschlossen, dass die Mädchen aus dem Salon die Nägel auf den Bildern malen sollen. Ich habe ihnen völlige Freiheit gegeben, etwa „Macht alles was ihr für nötig haltet, ihr könnt alle Farben verwenden." Sie hatten jegliche künstlerische Freiheit. Ihr wollt ihnen Piercings verpassen? OK." Es war genial! So ein Projekt will ich unbedingt wieder machen.
 
 
 
 
Im Gegensatz dazu war 42nd Street einfach irgendeine Straße, in der alle möglichen Leute arbeiten. Aber sie sollten irgendwie in Bezug stehen. Ich glaube, das war es, was das Ganze so schwierig machte. Ich habe gerne mit Mädels von der Straße zu tun, aber in New York muss ich bewusster damit umgehen, wie ich sie einsetze.
 
 
 
Im Gegensatz zu den Mädchen auf dem Time Square Wandgemälde, zeigt Deine Reihe Concrete Jungle Divas Megastars wie Beyoncé, Rihanna, Lady GaGa, J Lo und MIA. Woher der Wandel?
 
Ja, für das Wandgemälde habe ich Mädchen von der Straße gemalt, die versucht haben, Superstars zu imitieren. Und die Frauen, die ich für Concrete Jungle Divas gemalt habe, repräsentierten eine dekonstruierte Vorstellung davon, was die Frauen auf der Straße in Musikvideos und Zeitschriften sehen, eine Art Verschmelzen der Diven zu einer Reihe von Ikonen. Wenn man das Radio anmacht, hört man die Stars sofort. Und dann sieht man Mädchen in der U-Bahn, die sich ihre Musik anhören und tanzen. Dann denke ich: sie wären gern die Diven.
 
Die "Concrete Jungle Divas": Beyoncé, Rihanna, Lady Gaga, J-Lo und M.I.A.
© Sofia Maldonado
 
 
Ist Dein Stil auf der Straße anders als der an öffentlichen Ausstellungsorten?
 
Es kommt immer drauf an. Der Unterschied ist nicht allzu groß, außer man hat einen Privatauftrag, denn für einen Kunden zu arbeiten, ist es ein bisschen anders. Aber meinen Farben bleibe ich immer treu. Wenn ich draußen bin, male ich gerne die weiblichen Figuren. Ich muss es aber auch trennen. Bei Events, die eher mit Graffiti zu tun haben, male ich gerne die Mädchen, aber wenn ich etwas mit schönen Künsten mache, orientiere ich mich eher Richtung Abstraktion. Das war zum Beispiel der Fall, als ich die Mädchen „unten ohne" gemalt habe, aber so etwas würde ich niemals auf Leinwand machen. Draußen kann ich mir „versautere" Sachen erlauben. Ich habe mehr Freiheiten, darf schmutziger, sexueller darstellen; nicht immer, aber diese Freiheiten habe ich draußen auf der Straße.
 
(R)amped, Madison, Wisconsin, 2011
Sofia malt vor Publikum bei der Ausstellung (R)amped in Madison, Wisconsin. Foto: Katie Garth
© Katie Garth
 
 
Zuerst tauchten Deine Werke an Orten wie verlassenen Swimming Pools in San Juan auf und haben seitdem ihren Weg auf Coca-Cola-Dosen und reine, weiße Galeriewände gefunden. Du hast vor Kurzem eine Gemeinschaftsausstellung mit Museumsdirektorin Nicole Rodríguez in Madison, Wisconsin, gemacht, bei der die Grenzen dieser Ausstellungsorte verwischt wurden. Erzähl mir von dieser Zusammenarbeit.
 
Ich würde sagen, dass Nicole bei der Ausstellung eine ganz bestimmte Vorstellung davon hatte, was sie machen wollte. Ich stand dem Ganzen sehr offen gegenüber. Als Künstlerin lasse ich mich treiben. Wenn ich sehe, dass der Museumsdirektor eine bestimmte Vorstellung hat und sie mir gefällt, mache ich mit. Sie hatte die Idee, eine Halfpipe in eine Galerie zu holen; eine zweite Quarterpipe wurde seitlich gegen die Wand gestellt, was ich wirklich genial fand. Es war toll, zu experimentieren. Es war das erste Mal, dass ich live auf diese Art von abstrakter Oberfläche gemalt habe. Und dann die Halfpipe; obwohl sie nicht benutzt werden konnte, machte gerade das sie irgendwie interessant, denn bei allen anderen meiner bisherigen Skate-Ausstellungen wurden die Halfpipes befahren. Es war also etwas ironisch, weil eine Art Leinwand oder Skulptur daraus entstanden ist. Wir haben nicht das gemacht, was sonst bei jeder Skate-Show gemacht wird. Streetart wurde in eine Galerie geholt. Dann die Live-Malerei, direkt vor Ort frisch, es war einfach keine typische Kunstveranstaltung. Es entstand eine echte Gruppendynamik: Die Rampe wurde aufgebaut, der Künstler hat live gemalt, es wurde gefilmt; das Projekt war lebendig. In meinen Augen war es eine Ausstellung, die wirklich zum Leben erweckt wurde.
 
 
 
Sofia Maldonado, (R)amped
Kurze Pause für Sofia vor der Ausstellungseröffnung von (R)amped. Foto: Adeline Peck
© Adeline Peck
 
 
Was steht in Zukunft an?
 
Momentan konzentriere ich mich ganz auf die Arbeit im Studio, da ich demnächst eine Einzelausstellung in Puerto Rico habe. Bis November werde ich vor allem an neuen Werken arbeiten. Aufgrund der ganzen Diskussion habe ich dieses Jahr viel über mich selbst nachgedacht. Nun bin ich wieder zurück im Studio und glaube, dass sich meine neuen Werke sehr von dem unterscheiden werden, was ich die letzten 5 Jahre gemacht habe. Es wird nicht völlig anders, aber das Leitmotiv und das Drumherum ändern sich. Es wird minimalistischer, besonders bei großen Aufträgen. Es wird mehr um Farbe als um Formen gehen. Ich habe Lust, in dieser Hinsicht einiges zu ändern. Ich meine, vorher habe ich zum Beispiel nie orange verwendet und jetzt benutze ich es; die Grüntöne werden blauer werden und Schwarz werde ich wieder als Form einführen, nicht nur als Rahmenlinie. Keine Graffiti-Rahmen mehr. Es soll mehr als nur ein Bild sein. Es soll ein Projekt sein. Nicht einfach ein "Oh, ich male die Mädchen, die ich um mich herum sehe." Nein, sie müssen mehr sein. Ich will einen echten Bezug zu den Mädchen haben, die ich darstelle.
 
Klick auf ein Bild, um zur Gallerie zu kommen (12 Bilder)
 
Weitere Werke von Sofia gibt's auf seinem/ihrem MINI Space Profil sofiamaldo zu sehen; meldet Euch jetzt selbst an (falls ihr das nicht schon gemacht habt) und erstellt Euer eigenes Kreativ-Portfolio!
 
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Leute: Inspiration, Impulse & Nachhaltigkeit: Rebekah ...
 

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Landon Nothnagel
gepostet von: Landon Nothnagel | 01.02.2012 10:03
 
your work is amazing!
 

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