Jeder, der einen MINI fährt, kennt seine Eigenart, S-Kurven im dritten Gang zu verschlingen, Benzin durch einen Strohhalm zu schlürfen und sich auf winzige Parklücken zu stürzen, denen sich kein S.U.V. jemals nähern würde. Selbst Nicht-MINI-Fahrer erkennen die fröhlichen Flitzer, nach denen sich alte Knacker ebenso umdrehen - und vielleicht gurgeln und quietschen , wie kleine Hosenscheißer, wenn sie vorbeidüsen.
Mit MINI wird sogar der Wettkampf zum fröhlichen Event. „Was für ein Wettkampf?", fragst du jetzt. Der neue Wettkampf. Der Waldschrat-Wettkampf. Der Schlammschlacht-Wettkampf. Der Wettkampf, der nach einem Turbomotor verlangt, nach Allradantrieb und Fahrern, die uns zujubeln aus den irrsinnigsten Zipfeln der Erde - auch „Finnland" genannt.
Am 28. Juli hat MINI mit der Einführung seines neuen MINI Countryman WRC seine Rückkehr in die FIA Rallye Weltmeisterschaft angekündigt. Erstaunlicherweise wurde diese Offenbarung von den Konkurrenten mit großem Enthusiasmus aufgenommen. Der Direktor eines prominenten Herstellers sagte, es sei „die beste Neuigkeit für uns und die WRC überhaupt". Ein anderer fügte hinzu: „Das ist eine bedeutende Nachricht für die WRC, dass ein weiterer wichtiger Hersteller in die Weltmeisterschaftsserie zurückkehrt".
Waren dies kämpferische Worte? Wo ist euer Kampfgeist? Immerhin handelt es sich doch um eine Rennserie! Eine mögliche Deutung: Andere Teams wissen, sie sollten sich höflich und zuvorkommend gegenüber MINI verhalten - oder andernfalls bereit sein mit den Konsequenzen zu leben.
Hier ein Stück Geschichte: Vor einem halben Jahrhundert wurde die Rallye von großen V8-Autos beherrscht, die sich über Gebirgspässe quälten und deren Bremsen bergabwärts nicht selten in Brand gerieten. Ihre Kraft und Größe konnten sie nur auf den gelegentlichen geraden Strecken für sich nutzen. Bei der Monte Carlo Rallye 1964 erschien dann der Ire Paddy Hopkirk auf der Bildfläche, in einem Mini, der von einem englischen Ingenieur namens John Cooper entworfen wurde. Die V8-Teams bemühten sich nicht, ihr Amüsement über und ihre Verachtung für den tapferen Zweitürer zu verstecken und machten sich während der Festlichkeiten zur Rennwoche offen auf Kosten des kleinen Renners lustig.
Mini Cooper S bei der R.A.C. Rallye 1966
Doch Mr. Hopkirk führte seinen Cooper S unbeirrt zum Sieg und zwar zur Verblüffung der anwesenden Königsfamilien - sowohl der motorsportlichen als auch der Kronjuwelen besetzten. Im folgenden Jahr wiederholte MINI seinen Erfolg und 1967 noch ein weiteres Mal. Paddy nannte es später das Rennen „David gegen Goliath."
Paddy Hopkirk und Henry Liddon nach der Preisverleihung bei der Monte Carlo Rallye, 1964
Es ist also gut möglich, dass die WRC-Teams aus Furcht vor weiteren Erniedrigungen vom Monte Carlo-Kaliber taktvoll auf die anstehende Rückkehr von MINI zur Rallye reagierten. Eine weitere Erklärung für ihre Herzlichkeit mag ihr dauernder Respekt (oder nennen wir es: Liebe) für Mini und seinen Platz in der Geschichte der Rallye sein. Ein Wettbewerber erinnerte sich, wie er als Achtjähriger bei einer Rallye in seiner Heimatstadt auf Mini aufmerksam wurde. „Es war so ein kleines Auto, Funken sprühten aus dem Ölwannenschutz, aber keins der anderen Autos konnte das bieten", sagte er und die Faszination schien immer noch lebendig. Ein anderer hatte das Glück, Minis Erfolg damals in Monte Carlo live mitzuerleben. „Ich bin damals als 16jähriger mit meinem Roller dorthin gefahren", sagte er. „Ich bin nachts da hin und ich habe den Mini gesehen. Es war eine gute Entscheidung."
Mäkinen/Easter im Mini-Cooper bei der Monte Carlo Rallye, 1965
Das Beispiel dieser beiden Herren demonstriert anrührend, welche Nostalgie der MINI sogar bei seinen Konkurrenten auslöst. Doch unabhängig von ihren zarten Jugenderinnerungenwerden sie im Herbst nur noch an eines denken: wie sie MINIs durch und durch moderne, komplett neue Rallye-Waffe, den Countryman WRC, besiegen können.
Der Countryman WRC basiert auf dem MINI Countryman Sports Activity Vehicle und soll in ausgewählten Rennen ab Herbst MINIs legendäre Ralley-Vergangenheit wieder aufleben lassen. Der Allradantrieb mit 1,6-Liter-Hubraum und Turbomotor wird in Kooperation mit Oxfordshire entwickelt - das in England basierte Prodrive, das 6 Welt Rallye Meisterschaften in den letzten 12 Jahren gewonnen haben.
Prodrive's MINI Countryman WRC
Im Herzen des MINI Countryman WRC, genial hinter der Vorderachse untergebracht, befindet sich ein kampfeswilliger, energie-effizienter Turbomotor - ein Triebwerk das bereit ist, die staubigen, schlammigen Schotterpisten dieser Welt zu fressen.
Und für MINI-Fans, die sich ihren Lebensunterhalt nicht damit verdienen, mit 125 Meilen pro Stunde durch Pinienwälder zu fegen, gibt es zum Glück den MINI Cooper S Countryman, der direkt unter dem WRC Renner angesiedelt ist. Übersetzt handelt es sich um einen Twin-Scroll-Turbolader, der 184 PS bei niedriger Motordrehzahl erreicht und damit eine schlagkräftige, leicht zu erreichende Beschleunigung sicherstellt. Zusammen mit dem verfügbaren MINI ALL4 permanenten Allradantrieb bewegen sich der Cooper S Countryman und sein Diesel-Pendant, der Cooper D Countryman, außerdem mit ungekannter Kraft und Zuversicht über unterschiedlichste Straßenbelage.
So beginnt also ein neues Kapitel von MINI Motorsport. Nicht länger können die Kritiker schreiben, dass Mini ein großartiges Rallye-Auto war. Wenn der MINI Countryman WRC Pilot runterschaltet und mit seinen vier Rädern vom Boden abhebt, wird die Wahrheit in einer Staubwolke geschrieben stehen: MINI ist zurück im Rallye-Geschäft.