Die Röntgen-Fotografien von Nick Veasey rufen metaphysische Fragen hervor, beispielsweise wie sich die Infrastruktur eines Gegenstands zu seinem äußeren Erscheinungsbild verhält. Mit Röntgenstrahlen werden die Oberflächen der Objekte durchleuchtet und so das Innere, der Kern entblößt - das wiederum kann das Verständnis und die Wahrnehmung des Betrachters erweitern.
Einfach ist das nicht. Veasey hat immerhin die vergangenen 15 Jahre dazu verwendet, diese wunderschönen und provokativen Bilder herzustellen. Der Engländer widmet sich seiner Kunst mit der gleichen Akribie wie ein Radiologe seinen Patienten. Stundenlang scannt er seine Motive, wie zum Beispiel den Mini, der oben abgebildet ist - Stück für Stück - und fügt die Teile am Ende mit Photoshop wieder zu einem Ganzen zusammen.
Trotz der Gefahr durch hohe Strahlenbelastung arbeitet Veasey mit dem gleichen Equipment, das in Krankenhäusern und von Sicherheitsdiensten für die Suche nach Explosivstoffen benutzt wird. Kürzlich hat er sich ein 200.000 Dollar teures Studio gebaut, das mit Bleiwänden verkleidet ist. Für Bilder des menschlichen Körpers scannt Veasey vorwiegend Skelette in speziellen Gummianzügen, manchmal auch Leichen, die ihm in dem Zeitfenster von acht Stunden zur Verfügung gestellt werden, bevor die Leichenstarre einsetzt. Halb Wissenschaftler, halb Fotograf - Veasey geht der menschlichen Faszination für das versteckte Innere der Gegenstände auf den Grund.
Installation bei einer Kunstausstellung mit Veaseys Werken.
In seinem 2008 erschienenen Buch X-ray: See Through the World Around You (Röntgen: Durch die Welt sehen, die uns umgibt) sind 200 seiner besten Fotos in den vier Kapiteln „Gegenstand", „Natur, Mode" und „Mensch/Tier" zu bewundern. Im Buch finden sich diverse Motive, von einer Boeing 777 (hierbei wurden insgesamt 500 verschiedene Röntgenvorgänge benötigt) über einen Bus voller Skelett-Passagiere, bei dem er jedes Skelett in mühsamer Kleinarbeit per Photoshop einfügen musste, bis hin zu einer Fledermaus im Flug.
Veaseys Arbeiten erschienen bereits im Time Magazine, Wired Magazine und dem BBC Focus Magazine. Der Röntgen-Mini wird im Rahmen der British Collection of Photography ausgestellt werden.