Die Metropole Ruhr wird zum Geheimtipp. London und Berlin kennt inzwischen jeder, wer wirklich Neues, Ungewöhnliches, Eigenwilliges sehen oder hören will, sollte sich an der Ruhr, in einem der größten Ballungsräume Europas, umsehen. Nur weil die pragmatischen Menschen im Ruhrgebiet nicht so laut auf die Pauke hauen wie andere, heißt das noch lange nicht, dass sie nichts zu sagen haben.
Alltagskultur im Revier: Die kleinen Büdchen, wie der in Dinslaken Wehofen, gehören zum Pott wie die Kohle.
Immerhin haben sie den Strukturwandel schon ziemlich gut hinbekommen. Wo einst die Schlote rauchten und Hunderttausende im Bergbau schufteten, ist heute die Zukunft zu Hause. Moderne Architektur in Duisburg, kreative Designer in Essen und Dortmund, alternative Energieprojekte in Gelsenkirchen oder Avantgarde-Musiker in Mülheim - an der Ruhr erobert man sich gerade die Zukunft. MINIInternational macht sich in seiner neuen Ausgabe auf den Weg in das alte, neue Industriegebiet.
School of Design
Das Ruhrgebiet rockt. Nicht dass sich London, New York oder Berlin gleich schrecklich fürchten müssten, aber es ist schon erstaunlich, was sich an der Ruhr tut. Nichts ist da mehr mit rauchenden Schloten und Maloche unter Tage. Jetzt geht über Tage die Post ab.
Die pragmatischen Ruhrgebietler haben sich vom Niedergang der alten Kohle- und Stahlindustrie nicht unterkriegen lassen und sind dabei, sich selbst neu zu erfinden - als Designstandort, als kulturelles Zentrum. Die Metropole Ruhr, wie sich die 53 Städte und Kreise von Essen bis Dortmund und von Unna bis Duisburg nennen, wird 2010 Kulturhauptstadt Europas, und schon jetzt sprießt die Kreativität: Lichtkunst in Unna, hypermoderne Architektur in Duisburg, Solartechnik in Gelsenkirchen, Avantgarde-Musik in Bochum und Mülheim, Designideen in Dortmund und Essen.
Teppichdesigner wie Jan Kath, Graffiti-Künstler wie Mason oder Modemacher wie die Designer von Mode Wichtig zeigen: Hier entstehen herausragende Ideen. Anderswo wäre man froh, gäbe es nur einen Bruchteil dieser Aktivitäten - an der Ruhr gibt's darum keinen Hype.
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Man sieht den neuen Drive gelassen, geht mit den Erfolgen nicht gleich lautstark hausieren: Man lebt in einem der größten Ballungsräume Europas, wär doch gelacht, wenn man nicht auch kreativ was zu sagen hätte. Unter Tage haben die Kumpel früher ganz andere Dinge in den Griff bekommen. Vom „Kohlenpott" wird man jedenfalls in der nächsten Zeit noch viel hören.
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