An der Ruhr setzt man auf Kreativität und Design. Essen und die Städte rundum wollen zu einem der wichtigsten Designzentren Europas werden und fördern die Kreativen nach allen Kräften. Mit Erfolg.
Acryltisch von Wolfgang Riegger. Die im Sechzigerjahre-Stil verjüngten Beine lassen sich in die Platte stecken. Hingucker: das rote Tischbein.
Immerhin wird in Essen der begehrte Red Dot Award vergeben, einer der wichtigsten Designpreise weltweit. Es gibt exzellente Designschulen und viele, viele einfallsreiche Gestalter. Ein Schatz, den es zu heben gilt, denn die Menschen im „Pott" sind von Natur aus eher zurückhaltend mit Eigenlob. Aber Gottseidank gibt s da ja noch die Leute von der Dortmunder Agentur Heimatdesign. Sie veranstalten Ausstellungen, vermitteln Kontakte zu Galerien und veröffentlichen ein Magazin, das Design aus der Umgebung vorstellt. Heimatdesign gilt längst als Instanz in der Region. Marc Röbbecke und seine Kollegen haben sich ein Netzwerk aufgebaut, kennen fast alle Designer persönlich, entdecken ständig neue Talente - und verhelfen ihnen zu öffentlichkeitswirksamen Auftritten.
Für Simone Hogrebe bedeuten Frühstücksbrettchen die Welt.
Im eigenen Laden in Dortmund verkauft Heimatdesign z.B. Produkte der Modemacherin Yvonne Wadewitz, des Möbeldesigners Stephan Piotrowski von „Holz total", Möbel von Christian Speck, Frühstücksbrettchen von Elkedag oder coole Hundenäpfe von dogbar. Im Fokus von Heimatdesign sind auch Designer wie die Professorin Anke Bernotat von der Folkwang Hochschule in Essen, Wolfgang Riegger mit seinen cleveren Tischen, die Hutdesignerin Rita Gomez aus Mühlheim oder der Comic-Zeichner Jamiri. Die Menschen im „Pott" sind begeistert: „Immer mehr „normale Bürger" merken", sagt Röbbecke, „dass Design eine Bereicherung des Lebens sein kann!"
Hier sind acht Favoriten von Heimatdesign - Best of Pott:
Schöne Beine Der „Bock_C" der Designprofessorin Anke Bernotat von der Essener Folkwang-Hochschule steht Arbeits- und Esstischen gleich gut. http://www.bernotat.eu
Leben im Untergrund Dortmunds verbotene Orte - aufgegebene Bunker, Tunnel, Werkshallen - reizen Graffiti- und Stencil-Legende Mason besonders. Er setzt die Orte mit Sprühdose, Schablonen und Ironie neu in Szene. http://www.mason.de
Beliebig wandelbar Schon zwei Grundelemente - Platte und Winkel - reichen, um die Raumteiler des Dortmunders Stephan Piotrowski beliebig aufzustocken und zu verwandeln. http://www.holz-total.de
Starke Verknüpfung Die modernen, fast minimalistischen Teppiche des Bochumers Jan Kath, dessen Familie schon seit drei Generationen in der Teppichbranche arbeitet, werden in eigenen Produktionsstätten in Nepal aus reiner tibetanischer Hochlandwolle nach traditionellen Methoden handgefertigt und mit Pflanzenfarben gefärbt. http://www.jan-kath.de
Kostüme für den Alltag Die Entwürfe von Yvonne Wadewitz, der in Essen lebenden Ex-Ballerina des Essener Aalto-Theaters, einer gelernten Herrenmaßschneiderin, sind eine Symbiose zwischen historischen Formen, etwa Uniformjacken, und modern-urbanen Einflüssen. http://www.yvonne-wadewitz.de
Gartenbank der Unendlichkeit Das Meisterstück des Dortmunders Christian Speck, eine Gartenbank, besteht aus miteinander verbundenen liegenden Achten aus dunklem, geöltem, FSC-zertifiziertem Kambala-Tropenholz - eine Anspielung auf das Zeichen für Unendlichkeit. http://www.3form.de
Sportliches Comeback Jan-Peter Wulf und Ji-Hun Kim, freischaffende Designer und Autoren aus Dortmund und Bochum, schlugen Romika vor, Klassiker aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern neu aufzulegen -original im Schnitt, zeitgemäß im Komfort, zukunftsweisend im Design. http://www.romika-sport.de
Nur drei Schritte Die im Sechzigerjahre-Stil ausgestellten, verjüngten Beine des glänzenden Acryltisch von Wolfgang Riegger lassen sich in drei einfachen Schritten in die Platte stecken. Hingucker: das rote Tischbein, passend zum Namen von Rieggers Carrothead-Küchenserie. http://www.carrothead.eu
Lesen Sie die Artikel von Marcus Luft und Tanja Wißing in MINIInternational „Metropole Ruhr"