Er ist das enfant terrible der deutschen Indie-Szene: Phillip Boa ist immer für eine Aufregung gut, ob durch seine ungewöhnliche Musik, hymnische Melodien, gebrochen und verfremdet von überraschenden Stimmungswechseln oder durch seine kratzbürstige Art im Umgang mit dem Publikum und den Machern der Musikbranche.
Phillip Boa ist das Entfant terrible der deutschen Indie-Szene.
„Stur und eigenwillig" nennt sich der gebürtige Dortmunder im Interview mit MINIInternational, in dem er sich ansonsten ungewöhnlich bodenständig und heimatverbunden gibt. „Die Mentalität des Ruhrgebietlers ist low-key. Wir halten den Ball flach und gehen mit unserem geistigen und kreativen Potenzial nicht hausieren. Deshalb lebe ich gerne hier", sagt Boa. „Typisch ruhrgebietlerisch ist, dass man konsequent seinem Willen folgt. In Dortmund spüre ich die Wärme der Heimat. Die Menschen hier sind, wenn man mit ihnen einmal klarkommt, sehr freundlich und herzlich. Sie halten zu einem, wenn man das braucht."
Pia Lund und Pillip Boa
Mitte der Achtziger stark von Punk und New Wave aus England geprägt, ist Phillip Boa stets seine eigenen Wege gegangen. Beeinflusst hat ihn früh die Szene in den Clubs im Ruhrgebiet, in dem viele englische Soldaten stationiert waren. Phillip Boa: „In meinem Lieblingsclub, dem Old Daddy in Dortmund, roch es nach Tränengas, weil die Polizei alle zwei Wochen den Laden gestürmt hat. Im Old Daddy gehörten nur etwa 50 Leute zum engeren Kern der Szene. Aber die meisten von denen sind bis heute kreativ und sitzen an wichtigen Schalthebeln. DJ Westbam war zum Beispiel einer davon."
Boa sieht die Entwicklung durchaus auch kritisch „So eine lebendige Musik- und Kunstszene fehlt heute ein bisschen. Hier passiert zwar eine Menge, aber intellektuell ist alles einen Schritt zu langsam. Der Strukturwandel von einer Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Kulturregion scheint mir nicht richtig zu gelingen."
Lesen Sie das ganze Interview von Hendrik Lakeberg mit Phillip Boa in MINIInternational „Metropole Ruhr"